MIA 2026: „Angels wonder“

MIA 2026: „Angels wonder“

Meine dritte Jugend-Mitarbeiter-Konferenz des Mülheimer Verbands, in der [Josua-Gemeinde Berlin-Spandau]. Bei meiner ersten [2017 in der Hamburger City-Kirche] (FEG) „musste“ ich als Webredakteur und -reporter des Mülheimer Verbands noch dabei sein – und konnte dennoch aus der Beobachter-Position schnell in die Teilnehmer-Rolle eintauchen, weil das Programm für meine eigene Lebenssituation so effektiv war. Ausschlaggebend dafür war das spirituelle Highlight meines persönlichen Pfingst-Erlebnisses, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Nachdem mein von vornherein als Übergangslösung konzipierter Einsatz in der Webredaktion in kompetentere Hände gegeben werden konnte, habe ich das Format von „Ora Et Labora“-Tagen (OEL-Tage oder -Woche) auf den meisten MV-Tagungen anwenden dürfen, d.h. 50% Arbeit/Dienst, 50% Teilnahme/Gebet.

Warum aber diesmal wieder eine Jugendtagung, zu deren Zielgruppe ich nun wirklich nicht gehöre? Weil ich einfach neugierig darauf bin, wie „junge Menschen heute ticken“, denn in meinen beiden berufsbegleitenden Studiengängen habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, mit wesentlich Jüngeren in einem Seminar zu sitzen. So kann ich gesellschaftliche Entwicklungen und Trends über die einschlägigen Jugendstudien hinaus auch für den kirchlichen Kontext besser einschätzen. Bei der Mitarbeit in meiner Gemeinde möchte ich schon das Miteinander der Generationen im Blick behalten. Mein Diplom in Gerontologie hat gerade das in einer politischen Gemeinde 1995 untersucht. Als Mentor unserer Jugendleitung möchte ich nicht nur meine eigene Senioren-Perspektive einnehmen. Die Zielperspektive unserer Jugendstufenarbeit kann ich am besten hautnah durch direkte Beziehungspflege wahrnehmen.

Danke der Jugendkommission des MV, dass sie das ermöglicht, Danke meiner Gemeinde-Jugendleitung, dass sie mich mitgenommen haben, und Danke besonders den MIA-Teilnehmenden, es toleriert zu haben! Das ist nicht selbstverständlich, und ich möchte es auch in Zukunft nur sehr zurückhaltend machen. Niemand von den Jugendlichen soll sich in irgendeiner Weise dadurch gehemmt fühlen, dass ein Senior in der Kleingruppe sitzt.

Eine MIA-Tagung des MV hat eine klare Struktur: 2 Sessions tgl. für alle, Seminare in Kleingruppen mit Referenten/innen aus dem eigenen „Pool“, Ermutigungs-Areas für die Gemeindegruppen oder Einzelne (die in Gebet füreinander münden), 2 Std. Freizeit zum freien Connecten, Chillen oder Sporten, am vorletzten Tag auch ein Leiterstream und für die Nicht-Leiter parallel moderiertes Connecten mit Impulsfragen in Kleingruppen, um gewollt nicht nur immer mit den eigenen Leuten zusammen zu sein. Auch das mündet in 2-3er oder 3-er-Gebet in den Gruppen reihum.

Neu: Ein Seminar mit einem Plädoyer für Stille, und das Angebot zum Morgengebet in liturgischer Form, das an den beiden Tagen identisch war. Einen speziellen Gebetsraum als Rückzugsort hatte die Josua-Gemeinde nicht, aber ausreichend Gruppenräume, oder der Freizeitblock bot die Möglichkeit, einen Gebetsgang zu machen.

Die Sessions gingen von 1. Petr. 1, 12 aus:

Ihr habt das Evangelium gehört; es wurde euch von denen verkündet, die dafür mit dem Heiligen Geist ausgerüstet waren, den Gott vom Himmel gesandt hat. Diese Botschaft ist so einzigartig, dass sogar die Engel den tiefen Wunsch haben, mehr darüber zu erfahren.

Darum das Motto „Angels Wonder“ – unter dem ich mir zuerst nicht so recht etwas vorstellen konnte… Also: Was machen wir mit dem Evangelium, über das sich sogar die Engel so wundern, und wir setzen wir es in der Gemeindearbeit um?

Mein Highlight bei den Sessions, soweit ich neben dem Dienstplan teilnehmen konnte, war die 3. mit Michi Zachwey, den ich schon im KI-Seminar kennengelernt hatte. Er leitete seinen Vortrag ein, indem er kurz die Geschichte und Bekehrung von Ignatius von Loyola (!) schilderte und dann Parallelen zu unserer Postmoderne zog. Quintessenz:

  1. Gottes Wahrheit suchen
    in einer Welt voller Lüge, regelmäßig Bibel lesen, beim Bibellesen wächst Gottes Gegenwart in uns,
  2. Aufrichtig leben
    in einer Welt voll Unaufrichtigkeit, Rechenschaft ablegen, Dinge ans Licht bringen,
  3. Hingegeben dienen
    in einer Ich-bezogenen Welt, mit der Zeit und der Begabung, die wir haben,
  4. Echt werden
    in einer zunehmend digitalen Welt, echte Fähigkeiten entwickeln, echte Beziehungen leben, Begabungen einbringen.

Als Leitende: Mutig und liebevoll Momente zulassen, in denen Menschen aus ihrem gewohnten Leben aufbrechen, um neue Horizonte zu entdecken.

Liest sich erstmal cool und distanziert, aber die Schnittmengen zu meiner spirituellen Entwicklung aus der römischen Version der weltweiten Kirche Gottes hin zur Mülheimer Version sind für mich frappierend.

Zwei Seminare konnte ich mitmachen: „Apologetik” mit Lio, der zwei spontane Rollenspiele aus der Teilnehmerschaft über das Pro & Contra des christlichen Glaubens moderierte, und „Angels wonder über KI“ mit Michi aus dem Leitungsteam von [Master’s Commission Schweiz}. Da ich selber angefangen habe, Chatgpt auch für eigene Eventkonzepte zu nutzen, fand ich Michis Kurzeinführung und seine Kritik ausgesprochen konstruktiv:

  1. Benutze generative KI nur, wenn du explizit sagen kannst
    (a) warum du genau dieses Tool brauchst,
    (b) was du damit erreichen willst und
    (c) warum dir nur dieses Tool helfen kann, dieses Ziel zu erreichen.
  2. Ersetze nie eine Aktivität, die deine menschliche und geistliche Entwicklung fördert, durch generative KI. D.h. benutze diese Tools nicht, wenn du dabei als Person wachsen, etwas lernen oder deine Grenzen erweitern könntest (z.B. Fähigkeiten, Kreativität, Durchhaltevermögen, Konzentration, Tugend usw.).
  3. Benutze generative KI-Tools nicht, um dich zu entspannen, dich abzulenken oder dich zu unterhalten. Ersetze Beziehungen und Nähe zu Gott und Menschen nicht durch generative KI-Tools (weder privat noch bei der Arbeit).
  4. Begrenze deine Nutzung von generativer KI in Raum und Zeit. Zögere den Einsatz dieser Tools so lange wie möglich hinaus und bleib selbst aktiv im Prozess.
  5. Vertraue keinem generativen KI-Resultat, ohne es zu testen. Benutze diese Tools also nur in Bereichen, in denen du selbst kompetent bist, um die Qualität der Ergebnisse zu beurteilen und einzuschätzen, wo etwas nicht stimmt.
  6. Ein weiteres grundsätzliches Problem der politischen Ökonomie ist die Frage, welche Firmen mit welchen Zielen für die Gesellschaft unterstütze ich, wenn ich diese Tools brauche. Braucht es hier eine prophetische Stellungnahme?

Pkt. 5 nehme ich mir besonders zu Herzen, und Pkt. 6 checke ich im Rahmen meines Konsums sowieso (bin bekennender Meta- und Microsoft-Verweigerer, nutze aber einige Google-Tools und habe einen Channel bei Mastodon (https://osna.social/@motetus) – die „prophetische Stellungsnahme” würde mich interessieren: Was ist damit gemeint und wie sähe sie aus? Wie es oft so in Seminaren ist, war am Ende nicht genug Zeit dafür.

Das war die Seminar-Auswahl (2 waren möglich):

  1. Theologie und ich (mit Werbung für die FTH Gießen)
  2. Angels wonder über KI
  3. Team aufbauen, Mitarbeiter fördern, Gott das Wachstum überlassen
  4. Christen an die Waffe!?
  5. Kleingruppe rettet Leben
  6. Wie bereite ich einen Input vor?
  7. Q&A Beziehung und Single sein
  8. Apologetik
  9. Jugendarbeit mit Jahresrhythmus
  10. Stille Zeit – Leben mit Gott
  11. Ess-Störungen – erkennen, verstehen, begleiten

Ich habe wieder gemerkt, dass eine MIA des MV das professionelle, inhaltliche und geistliche Level dessen, was ich in meiner „alten Firma“ als Gemeindereferent mitgemacht habe, bei weitem übersteigt! Und immer wurde gebetet, zu Beginn jeder Einheit. Aber auch zwischendurch konnte man immer 2-er oder kleine Gruppen sehen, in denen vernehmlich und mit Körperkontakt spontan füreinander gebetet wurde.

Ach, und selbstverständlich starteten die Session mit Praise & Worship mit einer aus mehreren Gemeinden zusammengewürfelten Band, das ist für mich schon total normal… Wobei ich mir grundsätzlich „weniger Thron – mehr Herz!“ wünsche. Ich schaue in den Saal mit den gut 200 Teilnehmern aus ganz Deutschland und sehe „den Leib Christi” vor mir (nicht nur bei der Eucharistie/Abendmahl am Freitagabend), ganz bodenständig, mit Freude und Hoffnung in den Gesichtern und der Körpersprache, aber auch nachdenklich vielleicht mit Trauer und Angst vor der Zukunft. Parallel liefen ja am 31.10. die Schülerdemos in den Städten, und unsere Gebete in den Gruppen haben das durchaus nicht beiseite geschoben.

Jetzt bei der Evaluation merke ich, dass diese MIA auch für mich als „Zaungast“ wegweisend war, denn auch ich stehe ja vor einer neuen Altersphase. Kräfte wollen gebündelt und neu ausgerichtet werden. Meine kirchlichen Engagements werden fokussiert auf das Mentoring der Jugendleitung unserer Gemeinde (und auch ich bin selbstverständlich Mentee, und habe ein erfahrenes Gemeindemitglied dafür gewinnen dürfen), und alles andere Engagement betrifft nun meinen Stadtteil, aus dem sich das kirchliche Leben mehr und mehr verabschiedet und dessen Rolle zu großen Teilen der Sportverein übernimmt, in multikultureller Breite. Mein Sportverein hat Delegierte für die Neuwahl des städt. Seniorenbeirats am 20.11.2026 benannt, für den ich kandidiere. Die Zivilgesellschaft braucht Christen, die eine Hoffnungsperspektive leben und dazu einladen. Der christliche Glaube – und das ist für mich gleichbedeutend mit Gottvertrauen – muss für postmoderne Menschen plausibel sein. Wie lautet noch eines der Ziele der Jugendstufenarbeit in unserer Gemeinde? „Wir wollen, dass junge Menschen in Verantwortung kommen: Früh und vertrauensvoll!“ Und wir Alten? Wir ziehen uns zurück und geben Verantwortung mit 75 eher auf, anstatt noch einmal durchzustarten. Keine Lust mehr auf Politik. Jammern und Klagen, statt pro-aktiv das Beste der Stadt zu suchen (Jer. 29, 7)! Ohne Anpacker kommt Gottes Wille nirgends an. Da kann ich noch so oft „Herr, Herr“ rufen (Mt. 7, 21). „Es“ ändert sich gar nichts, wenn ich/wir nichts tun!

Bei der MIA’26 durfte ich dreimal helfendes Gebet in Anspruch nehmen. Das 1. Mal auf eigenen Wunsch, dann in den moderierten Kleingruppen und in der Gruppe aus meiner eigenen Gemeinde. Zum Schluss des Sonntagsgottesdienstes zusammen mit der Ortsgemeinde habe ich noch um den Segen eines Josua-Gemeindemitglieds gebeten, mit der ich in der Küche (und auch schon [bei der WIRklich’26]) zusammen gearbeitet habe. Bei den Aufgaben, die Gott mir jetzt vor die Füße gelegt hat, bin ich in der richtigen Spur! Insofern gibt es gar keinen großen Unterschied zwischen Jungen und Alten hinsichtlich unserer Identität, die unserem Leben Qualität und Resilienz verleiht.