Ein Jahr „Volunteer“ in einer evangelikal-charismatischen Freikirche, ca. zwei Jahre „Training on the job“ mit der gefundenen Antwort auf die Frage nach der Berufung für die dritte Lebensphase [„Brücken bauen · Türen öffnen · Räume schaffen · Beziehungen knüpfen · Horizonte weiten“] liegen hinter mir.

In dieser Zeit durfte ich die Webseite meines Gemeindeverbandes bis zum [Relaunch 2019] administrieren und habe dabei noch viel Neues gelernt: Weblayout, alles über die Freikirchenszene in Deutschland, die Zusammenhänge charismatischer Erneuerung weltweit, und habe die Deutsche Evangelische Allianz kennen gelernt als multikonfessionelle Speerspitze von Gemeinden, die missionarisch unterwegs sind. Vor allem gab es – durchaus prophetische – Hinweise von Mitbeter/innen bei Konferenzen und Gesprächen („fürchte Dich nicht“ [2015], „da wo du stehst, ist heiliger Boden“ [März 2016], „du musst überhaupt nichts puschen“ [April 2016], „vernachlässige nicht das Leben aus der Kraft des Wortes Gottes, setz dich auf den Hosenboden und bete geduldig weiter, das kann eine lange Etappe werden“ [2017].

2019 ist das Jahr, in dem ich in meine 70-er starte. In den vor mir liegenden fünf Jahren geht es nun darum, die neu entwickelte „Profession“=Berufung zu verwirklichen. Alle Weichen sind gestellt, alle Entscheidungen getroffen. Meine Berufung ist wie ein Bahnhof, an dem man ankommt, Pause macht, Leute trifft, vielleicht eine Kleinigkeit isst, sich neu orientiert und den richtigen Zug besteigt, um weiterzureisen. Allerdings sind es in diesem Bild zwei neue, supermoderne Bahnen, die abfahrbereit am Bahnsteig stehen. Für mich bedeutet das:

  1. Der Bahnhof (übrigens eine Baustelle!) ist das Umgreifende, die Basis und das Dach: Es geht ums Beten, um mein Zeitbudget dafür, aber nicht nur allein, sondern auch in kleinen Gemeinschaften und auf vielfältige Art und Weise. Mit der Koordination von Gebetsinitiativen in Osnabrück kann die Grundlage für ein Gebetsprojekt gelegt werden, das 24 Stunden an 7 Tagen der Woche umfassen soll.
  2. Der eine Zug ist ein neuer Arbeitsbereich in meiner Gemeinde, den wir nach den Sommerferien 2019 starten wollen: Missionarische Zellgruppen! Evangelisation ist der Grundauftrag aller Kirchen. Alle Christen sind Evangelisten. Wir brauchen „burning persons“!
  3. Der zweite Zug ist die Mitarbeit in der Evangelischen Allianz Osnabrück, die mich zum Schriftführer gewählt hat. Ich bin Netzwerker!

1. Startup eines neuen, multikonfessionellen pastoralen Formates („Ekklesie“) in Form eines 24/7-Gebetsprojekts. Eine enge Kooperation mit bereits vorhandenen Gebetsorten und -zeiten in meiner Stadt halte ich für unverzichtbar, vor allem mit dem 24/7-Gebet der Benediktinerinnen, das die 15 Schwestern gerne mit „externen Betern“ weiterführen und erweitern möchten – unter einer Bedingung, wie mir die Priorin versicherte: „Es kann nur ökumenisch sein“.

Jetzt geht’s los!

Das hätte zur Folge, dass „Gebet rund um die Uhr“ die Zurückgezogenheit klösterlicher Klausur nach 156 Jahren (so lange gibt es das schon in meiner Stadt!) erweitern würde auch auf Leute, die der Evangelischen Allianz nahestehen und eine ähnliche Berufung spüren. Anbetung würde so buchstäblich neue Räume eröffnen und die Grenzen der Stille und des „eucharistischen Typs“, wie sie die katholische Kirche kennt, überschreiten. „Lobpreis und Anbetung“ freikirchlichen Typs geschieht vernehmlich, gerne musikalisch, und vertraut der Zusage Jesu „wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18, 20). Beide Formen muss es weiter geben, und vielleicht auch noch ganz neue.

Bisher gibt es monatlich und wöchentlich regelmäßige freie und offene Gebetstreffen, wo vernehmlich gebetet und gesungen wird. Daraus kann ein Netzwerk entstehen, das nach und nach immer engmaschiger wird. Die Frage nach einem festen Gebetsort oder -haus stellt sich vorläufig überhaupt nicht. Ein [christl. Pflegedienst] hat seinen Schulungsraum geöffnet, den wir nach Bedarf benutzen dürfen. Die Vision von 24/7-Gebet in einem solch diakonischen Kontext gibt es in Deutschland bisher nicht und ist einer der Überraschungen, die der Heilige Geist bereithält. Denn: Nicht umsonst ist der Missionsauftrag der Kirche nach Markus an konkretes Handeln für Belastete, an neue Formen des Betens und der Verkündigung, sowie an Krankenheilung gebunden (Mk. 16, 15-18). Auch die Gerichtsrede bei Mt. 25, 31ff hat diesen diakonischen Fokus, und zwar ausschließlich: An keiner Stelle hat meine persönliche Frömmigkeit, Art und Dauer meines Betens, mein Gottesdienstbesuch und meine Spendenbereitschaft irgendeine Relevanz für die Ewigkeit! Für Jesus zählt, wo ich ihn in seinem Hunger, Durst, Fremdsein, Nacktsein, in Krankheit und im Gefängnis begegnet bin und ihm aufgeholfen habe. Das heißt: Jesus vertrauen und bürgerschaftlich engagieren gehören zusammen. Zu glauben ist sehr nützlich.

2. Gebet ist die Basis aller Erneuerungsbemühungen, seien sie kirchlich oder gesellschaftlich. Die Frage, wie Beten diakonisch oder missionarisch sein müsste, wird mich weiter begleiten. Auf jeden Fall wird das Beziehungsgefüge berührt, in dem wir leben. Kleine Christliche Gemeinschaften wären eine Antwort auf die modernen Multi-Site-Gemeinden, die aus Not sogar in den Traditionskirchen gebildet werden. Mit der [Central-DNA von Roberto Bottrel] und dem [r21-Umsetzernetzwerk der Gebrüder Ferguson] kommt über den großen Teich ein Pastoralmodell zu uns, welches das natürliche Prinzip der Zellteilung für Gemeinde- oder Glaubensgruppen umsetzt. Dafür ist ein hohes Maß an spirituellem Management  nötig, denn Zellgruppen sollen nicht für sich zusammenbleiben, sondern haben grundsätzlich das Ziel, sich missionarisch zu teilen.

In einem überschaubaren Zeitraum wird aus den Gruppen selbst ein/e potentielle/r Leiter/in nebst Copilot/in geschult, die nach ca. einem Jahr eine neue Gruppe starten. Es braucht also ein System von Mentoring, und wenn dieses zahlenmäßig (12+) die Arbeitsfähigkeit überschreitet, ein Mentoring und Coaching der Mentoren – das Ganze rückgebunden an die Gemeindeleitung.

Gruppen mit exponentiellem Wachstum machen vor Gemeinde- und Konfessionsgrenzen nicht halt: Hier würde ein neues Gemeinschaftsmodell entstehen, das nicht im herkömmlichen Sinn eine konfessionelle Gemeindegründung oder -erneuerung zum Ziel haben muss (wenngleich es in Nord- und Südamerika meist so gehandhabt wird). Strukturell sind Zellgruppen erst einmal offen. Spirituell haben sie ein großes Potential, weil sie die Mängel der Mainstream-Pastoral durch persönliches Glaubenszeugnis behebt. Sozial tragen sie zur Friedensarbeit und zum Engagement in der Stadt- oder Dorfgesellschaft bei.

Mit einem ca. 20-köpfigen Mitarbeiter/innenkreis aus meiner Gemeinde und einer vorbereitenden Leiterschulung, die wir mit eigenen Kräften selbst durchführen, soll das [Zellgruppenprojekt] nach den Sommerferien 2019 in Osnabrück starten.

Auf diese Weise Täter des Wortes zu sein gilt es, weiter auszuloten. Das Evangelium ist keine graue Theorie – ON FIRE zu sein, auch nicht.

3. Als „Nebenprodukt“ meines „Noviziates“ in einer gemäßigt charismatischen und evangelikalen Gemeinde und ihrem Bundesverband sind noch die Administrationen der Webseite der [Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Osnabrück] und jetzt die Schriftführung der [Evangelischen Allianz Osnabrück] dazugekommen. Damit ist für lokales Netzwerken und kontextgemäße Projekte eine solide Grundlage gelegt.

Ausgewählte Konferenzen und Seminare werden mich auf diesem Weg weiter bringen. Ich möchte nie aufhören, Neues zu lernen. Aber es ist ein gutes Gefühl, nicht mehr nach Engagement suchen zu müssen. Sich der eigenen Identität gewiss sein zu dürfen. Ja, Gott liebt mich, ganz persönlich, und nicht nur mich: Dich auch! Zuversichtlich, furchtlos und unverkrampft in die Zukunft zu gehen –  bis hierhin haben wir es mit Gottes Hilfe doch auch geschafft! Und dann aus den Unzulänglichkeiten und Fehlern der Vergangenheit lernen und es besser zu machen – was soll uns daran hindern? Der Zeitgeist? Das „strukturelle Böse“, in das wir alle verstrickt sind? Einer hat es besiegt! Mission is possible! Seit dem Ende meiner Berufstätigkeit vor fünf Jahren durfte ich es erleben: Das Beste kommt noch! Nun darf ich die nächste Phase planen: Das Beste kommt noch! Und wenn die Kräfte schwinden und das Leben auf dieser schönen Erde zu Ende ist: Das Beste kommt noch!

Meine Lebens-Schmalspur schwenkt in die Vollspur des Lebens mit Jesus ein und darf auf dem Vierschienengleis gemeinsam dem Ziel entgegenbrausen. Aufgenommen 2015 in Mülheim an der Ruhr an der Duisburger Str./Prinzess-Luise-Str. kurz vor der Tunneleinfahrt zur Haltestelle Schloss Broich.