verändert – werden

verändert – werden

Ja, ich komme verändert von der [WIRklich] zurück, dem „kleinen Kirchentag“ meines Gemeindeverbandes [MV] in der Mercatorhalle Duisburg. „Verändert – bleiben“ lautet das Motto für die [Transformation] eines ganzen Bistums (Osnabrück, Paderborn, …) Ich bin nicht geblieben, bin [aufgebrochen], aus-gebrochen aus der römischen Version der weltweiten Kirche Gottes, und erlebe nun Kirche 4.0 statt Hierarchie 1.0. (Wie [Weiheamt] und Klerikalismus Transformation zu verhindern drohen, und letzterer sogar eine Transformation bei einigen Freikirchler/innen erfordert, wäre mal ein extra Thema.)

Die WIRklich war erlebte Kirche, 2.000 Teilnehmende im Alter von 0-99 – und um es gleich zu sagen: Säuglinge, Kinder und Jugendliche (mit eigenem Vollprogramm!) machen das „Geheimrezept“ von Konferenzen und Gottesdiensten des MV aus. Nirgendwo sonst erlebe ich das Miteinander der Generationen so intensiv, wie in meiner Kirche, und ich habe immerhin in den 90-ern mal eine Diplomarbeit über dieses Thema geschrieben. Da wusste ich noch nicht, was „MV“ ist!

Forum der Mercatorhalle Duisburg

So kann man dem WIR im Konferenztitel ohne Weiteres noch einen Großbuchstaben hinzufügen, und es wird ein „WIRK“lich daraus: Glaube und Vertrauen auf Gott wirkt! – wenn wir Ihn zur Wirkung kommen lassen und bei allem, was wir starten und tun, danach im Gebet fragen, ob und wie es denn in Seinem Sinne ist.

Mit meinem Alter kokettiere ich, indem ich keinen so großen Bedarf mehr an geistlichem Input signalisiere, und dafür gerne backstage bei Meetings und Konferenzen mitarbeite. Aber nur in der für mich bewährten Form der [„OEL“-Woche]: Ora Et Labora, 4 Std. arbeiten und 4 Std. beten oder Verwandtes. So muss ich die Sessions mit Vorträgen zu Hause im Video nachhören, aber die nachmittäglichen Seminare sind dann für mich möglich.

Eucharistie to go – wenn 2.000 in festen Reihen sitzen.

„Das Reich Gottes ist kein Update – wenn Zukunft nicht fortgeschrieben, sondern geboren wird“ lautete der Titel des [Seminars], das mich wegen 1.Petr. 1, 3 in der Ankündigung interessierte. Im Rundgespräch mit Pastor und Krankenpfleger Benjamin Hockenberger (Kirche im Forum Sinsheim) wurde deutlich, dass wir Projekte immer mit unserem Erfahrungshorizont anpacken und planen, und dabei vergessen, dass die Zukunft nicht einfach „aus Altbewährtem“ besteht, sondern Innovationen, und überhaupt erst die Bereitschaft dazu erfordert. „Das Reich Gottes kommt uns von vorne entgegen“ und besteht nicht aus dem Aufwärmen von gestrigen Strategien. Jesus macht das deutlich z.B. im Wort vom Pflügen (Lk. 9, 62) oder vom neuen Wein, der in neue Schläuche gehört (Lk. 5, 37f). Der Geist Gottes weht, wo und wie er will, und er bläst (mir) vor allem von vorne ins Gesicht!

Nicht nur in diesem Seminar, sondern auch in den Zwischendurch-Gesprächen mit Mitgliedern aus meiner Gemeinde (von ~150 waren wir mit 106 großen und kleinen Menschen vertreten!) wurde deutlich, dass wir Innovationsbereitschaft mit nach Hause nehmen, die unsere bisherigen Vorstellungen von Gemeindeleben und Gemeindestruktur durchaus auf den Prüfstand stellen (wir werden ja schon von zwei hauptamlichen Studenten zusammen mit dem ehrenamtlichen Leitungsteam pastoral geleitet und verzichten auf die Ausschreibung einer Pastorenstelle…) Im MV gibt es so unterschiedliche Gemeinschaftsformate, wie unterschiedliche Persönlichkeiten. Ein Coffeebike kommt in der Bibel ja erstmal nicht vor… Oder Mission, die vor der Gemeindehaustür in den schon vorhandenen bürgerlichen Kontexen startet und nicht nur weit weg in Afrika.

Was nehme ich persönlich mit nach Hause? Viele Fragen und Gespräche zum Heiligen Geist als Person (denn ein Heilig-Geist-Seminar gab es nicht), wie er mich ergreift und in Bewegung bringt und mir die Angst vor unbekanntem Terrain und Neuem nimmt, wie er mich (auch oder gerade im Alter!) neu in Verantwortung(en) kommen lässt und mich mit den erforderlichen Charismen ausstattet. „Das Unverhoffte gestalten“ lautet ein Buch von Roger Schutz. Es bricht nicht über uns herein, sondern ich möchte proaktiv dabei sein.

„Lobpreiszeit“, das etwas längere „Gloria“.

Es gibt auch Kritisches: „Viel Himmel“ und „viel König“, besonders in der Lobpreismusik. Mit der amerikanisch konnotierten Christkönigs-Mystik kann ich nicht viel anfangen. Auch den Auferstandenen möglichst weit weg auf einem Himmelsthron zu verherrlichen, widerstrebt meiner Spiritualität. Der Gekreuzigte lebt, hier und heute und im Geist Gottes mitten unter uns. Gerne breite ich beim Beten die Hände aus, aber sie zeigen meist mehr „nach unten“, denn Jesus thront nicht hoch oben, „hoch über allem Staub der Welt“, wie Lothar Kosse singt, sondern wenn, dann hier unten, „mitten in all dem Staub der Welt“! Hier fordert er uns heraus. Manchmal frage ich mich beim Lobpreis, wen wir da eigenlich ehren: Gott, oder schwelgen wir im Grunde in uns selber und in unserer gefühligen Musik? Was mag passieren, wenn mal der Strom ausfällt und die ganze „fette Mucke“ nur noch aus einer akustischen Gitarre und unseren Stimmen besteht? Die „Atmosphäre von Gottes Gegenwart” wird von einigen in [Praise&Worship] geradezu „sakramentalisiert“. Gott ist auch [ganz woanders] – besonders gerne überall da, wo Menschen in Not sind und ums Leben gebracht werden. Das kennt Er.

(Beitragsbild: Die Mercatorhalle Duisburg beim 1. Lokaltermin im Dez. 2025)