12 Stunden en Bloc. Kann ich das überhaupt schaffen? Und wenn ja: Wie? Und es ist ja nicht nur die weltkirchlich-katholische Initiative des 24-Stunden-Gebets, von der man in meiner Stadt nur 12 hinbekommt, es ist auch die Gebetseinladung von [Open Doors] zur Gebetsnacht für die verfolgten Christen in Syrien und im Irak. Auch die Frauen hatten am Abend schon weltweit ihren multikonfessionellen [Weltgebetstag], diesmal mit dem Focus auf Kuba. Gebetet wurde also rund um den Globus auf ganz vielen Ebenen gleichzeitig, das ist einfach nur gut. Es macht Gott Freude, so unter uns Menschen wohnen zu dürfen. „Special guest” bei uns war Fabian von [„Nightlight“] aus Bergneustadt, der mit uns den Missionsauftrag Jesu vom Schluss des Mattäusevangeliums durchnahm.

Bei der Planung hatten Jugendliche meiner Gemeinde die geniale Idee, zwei Stunden der eigenen Gebetsnacht als „Gebetsgang“ zum Dom zu gestalten, und zwar mit Stationen an einer der Pfingstgemeinden, am Jüdischen Friedhof, an der Zentral-Moschee (IGMG) und in der Hauptgeschäftsstraße, von 3–5 Uhr. Zwar waren nicht mehr die ca. 75 aus dem Gottesdienst dabei, aber viele, auch jüngere, sind nach dem Gottesdienst noch geblieben. Mit dem letztlich verbliebenen kleinen „harten Kern“ bekam dann die „Nacht für Gott im Dom“ noch etwas Zulauf. Es war gut, dass wir uns erst in der Gemeinde um 19 Uhr zum Jugendgottesdienst mit anschließenden langen Lobpreiszeiten  getroffen haben, denn Katholiken kennen Anbetung nur in der persönlichen Gebetsstille vor der Monstranz. Charismatisch beten heißt aber auch frei und für alle vernehmlich zu beten, und auch die Lobpreis- und Anbetungsmusik mit Band und Gemeindegesang ist nicht gerade „piano“. Leider gab es im Umfeld des Domes noch keinen geeigneten Raum, die verschiedenen Anbetungsstile parallel praktizieren zu können – sonst hätten wir die ursprünglich vorgesehenen 24 Stunden vielleicht locker geschafft…

Während der Gebetsnacht wurden verschiedene Gebetsstile angewendet, so z.B. das „Popcorn-Gebet“, bei dem alle eingeladen sind, nur ein oder zwei Wörter, höchstens nur einen ganz kurzen Satz zu sagen, der dann vom nächsten Beter inhaltlich aufgegriffen und weitergeführt wird. Also eine Form kooperativen Betens Einzelner zum Nutzen aller. Oder das „Bienenkorb-Gebet“ in kleinen Gruppen (3–5). So können auch ganz verschiedene Gebetsanliegen oder Gebetsweisen (Dank, Lob, Klage, Bitte usw.) leise gleichzeitig vor Gott ausgesprochen werden. Zusätzlich gab es noch im Jugendcafé „Gebetsstationen“ mit Schreibzeug zu den Themenbereichen Dank, Bitte (und der Möglichkeit, ein Teelicht zu entzünden), Klage (mit einer symbolischen kleinen „Klagemauer”), eine Bibelstation und eine Pinnwand für Politisches.  Das wird ähnlich gewesen sein wie im Domforum. Aber auch dann die Atmosphäre im Dom mit dem ruhigen Gesang der schier unermüdlichen Vorsängergruppe im Hintergrund mit der Möglichkeit zu stillem Gebet waren durchaus berührend. Auf dem 40 -minütigen Rückweg konnten wir sogar schon Brötchen für das Abschlussfrühstück ergattern. Mit einem letzten Lobpreisliederblock gaben wir unserem Gott in die Morgendämmerung hinein die Ehre. Ich habe kein Bisschen geschlafen. Ich bin, ohne einen Tropfen Kaffee oder Cola, so euphorisiert, dass ich die Müdigkeit erst am folgenden frühen Abend spüre, lange nachdem ich diesen Blog geschrieben hatte.

Erlebt haben wir in dieser Nacht eine große Solidarität im Gebet miteinander, nicht zuletzt durch die beiden durchgehend besuchten Gebetsorte in unserer Stadt, aber auch durch die Kooperation der Jugendleitungen zweier freikirchlicher Gemeinden. Genießen durften wir das Catering während der Nacht, das liebe Menschen für alle bereitet haben. „Wann gibt es die nächste Gebetsnacht?“ war dann auch die Frage in der Abschlussrunde beim Frühstück, und dass eine noch viel engere Zusammenarbeit wünschenswert sei.

Beten, mit Gott online zu sein, ist die Grundlage allen christlichen Engagements. Beten kommt noch vor der Grundaufgabe der Evangelisierung. Es geht um Gott, um Jesus, und genau darum spielen konfessionelle Vorbehalte und Grenzen hier überhaupt keine Rolle mehr. Sie sollen es nicht und dürfen es auch gar nicht. Beten können, ja müssen alle Christen gemeinsam, in jeder Lage.

Vielleicht kommt aus den Erfahrungen dieser gemeinsamen Gebetsnacht ja der Impuls zu einem ständigen, geografischen Standort des [Zu-Atem-Kommens], dem sich das katholische Bistum in diesem Jahr besonders widmet. Vielleicht der Impuls, öfter gemeinsame Gebetsnächte oder getaktete Gebets- und Anbetungszeiten miteinander zu begehen. Vielleicht springt die Berufung der Benediktinerinnen, die schon vor 162 Jahren in unserer Stadt ein festes 24/7-Gebet etabliert haben (still und zurückgezogen in klösterlicher Klausur) in neuer und offener Form über auf die Gemeinden der Evangelischen Allianz und auf katholische Interessierte, die Lust auf ein neues Gemeindeformat, eine „Ekklesie“ haben. Hier könnte ein Zentrum für Gebet (24 Stunden an 7 Tagen der Woche) und für Evangelisation entstehen, um allen Gemeinden zu helfen, sich selbst auf diesen Weg zu machen, den die beiden Päpste Johannes Paul II. und Franziskus für die katholischen Gemeinden der Kirche als Zukunftsperspektive verwirklicht sehen wollen. Lassen wir es nicht bei Träumen bewenden, und schieben wir die Verantwortung bitte nicht auf die Hauptamtlichen ab, sondern packen wir beherzt selber an! Wer sonst, wenn nicht wir? Wann denn, wenn nicht jetzt? Strategien und Modelle quer durch alle Konfessionen gibt es mittlerweile mehr als genug! Wir können da nur voneinander lernen.

 

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