(Foto: http://malsegeln.de)

Ein Seglerkommando. Die Crew ist vorbereitet. Alle warten mit den erforderlichen Handgriffen auf das Kommando, den „Kairos“ im richtigen Moment. Das Segel muss den Wind von der anderen Seite bekommen. Die Köpfe sind eingezogen, damit der Baum umschwingen kann und niemandem den Schädel einschlägt. Dann muss die Crew die Seite wechseln, mit dem Schot in der Hand, und der Steuermann oder die Steuerfrau steuert gleichzeitig gegen. Ein paar Zwischenkommandos, und so gelingt die Wende beim Kreuzen gegen den Wind. Die alte Richtung wird verlassen, Neues wird unter den Kiel genommen.

„Conversión“ nennt PP. Franziskus die [fällige Kehrtwende] im kirchlichen Engagement. Das ist jetzt sechs Jahre her, und der deutsche Katholizismus hat es nicht begriffen. Nur ganz wenige Gemeinden oder Initiativen riskieren es, sich auf neue Wege zu begeben, zu fragen, was Gott eigentlich auf seiner Agenda für den jeweiligen Ort hat, und dann auch mutig Schritte zu wagen. „Es ist soooo schwer“, sagt einer, der es macht und wo es gelingt, [mit einer neuen Crew]. „Erfolg ist keiner der Namen Gottes“, lautet die Ausrede derer, die stattdessen lieber in ihrer Lähmung verharren. Aber warum hat Jesus dann Fischer und Hirten in seine Crew geholt, Berufstätige, deren Handwerk auf Effizienz ausgerichtet ist? Warum benennt er sie als zukünftige „Menschenfischer“, denn ihre Aufgabe soll ja „Jünger machen“ sein, und zwar bei „allen Völkern“? Wenn Hierarchien ihren ursprünglichen Sinn und Zweck verraten, gehören sie in dieser Form abgeschafft. Nicht weniger als eine „neue (röm.-kath) Kirche“ haben sich die Bistümer Osnabrück und Hildesheim mit ihren [neuen Leitungsmodellen] der „Kirche der Beteiligung“ auf die Fahnen geschrieben, und die haben große Schnittmengen mit Organisationsformen, welche die Freikirchen schon lange effizient einsetzen.

Ich habe nicht händeringend nach Alternativen gesucht. In das [religionspädagogische „Projekt Ostergarten“] der Osnabrücker Mülheimer-Verbands-Gemeinde (MV) bin ich mehr oder weniger „reingestolpert“. Ich hatte [„Evangelii Gaudium“ gelesen] (ja, PP. Franziskus war der Auslöser meines Wegs, der mich in die freikirchliche Szene gebracht hat! und jemand hatte mich dort einfach angesprochen). Mitmachen beim Ostergarten war eine hervorragende Brücke zwischen ordnungsgemäßem Ende der Berufstätigkeit als Gemeindereferent mit 65 und der Erfahrung, dass Gemeinden außerhalb des bisherigen konfessionellen Tellerrandes die „eigentlichen“ kath. Zielperspektiven konsequenter und besser umsetzen. Das ist eine krasse Geschichte, aber auch eine echte Horizonterweiterung: Von „Hierarchie 1.0“ zu „Kirche 4.0“! Seitdem bin ich fest davon überzeugt, vom Herrn der Kirche und meines Lebens konsequent über einige Zwischenstationen in die „Mutter der deutschen Pfingstbewegung“ geführt worden zu sein – der [Mülheimer Verband] ist halt das Original, und mit ihr ist die [kath. Charismatische Erneuerung] in Deutschland zum Glück ja auch auf mehreren Ebenen vernetzt.

Neu anzuheuern – bei Jesus und damit auch bei einer neuen Crew, das bedeutet auch abzumustern auf einem manövierunfähig gehaltenen Schiff. Es nützt ja nichts, dort mit Renovierungsplänen, Reparaturstrategien und sogar einer kleinen Handwerkergruppe herumzulaufen, wenn sie keiner haben will. Fünf Jahre lang habe ich mich dafür stark gemacht, den Prozess in meinem Blog beschrieben, eMails losgeschickt, Kongresse besucht, Gespräche geführt, mitgebetet, auf spannende Modelle hingewiesen. Mit [„Divine Renovation”] soll es genug sein. Für meine katholischen und landeskirchlichen Geschwister ist alles gesagt. Wer jetzt nicht zupackt und auf den bereits fahrenden Zug aufspringt, dem ist nicht mehr zu helfen. Pfr. James Mallon wagt zu sagen: „Nur missionarische Gemeinden werden überleben, die anderen werden sich auflösen!“ Mut und Besonnenheit sind keine Gegensätze – bei Offenheit für den Heiligen Geist. Das Konzept der „mixed economy“ wird hier noch einmal aus einer ganz anderen Ecke akut, „button-up“ als Pastoralprinzip für kath. Gemeinden.

Für die nächsten fünf Jahre möchte ich endlich „das Obergemach verlassen“ und mich auf die lokalen Belange meiner Stadt fokussieren: Botschafter für Jesus sein – aktiver „Influencer“, nicht virtuell in den social Media, sondern Netzwerker face to face, von Angesicht zu Angesicht mit Menschen, die sich für das Evangelium interessieren (die Gott also schon „gezogen“ hat, Joh. 6, 44). Missionarische Zellgruppen mit anschieben – ein neuer Arbeitsbereich meiner Gemeinde, der bewährte Modelle aufgreift, und zwar multikonfessionell. Jesus und seinen Heiligen Geist dort zu suchen, wo er [in unserer Stadt schon unerkannt am Wirken] ist – und ich bin fest davon überzeugt, dass Konfessionen für ihn völlig uninteressant sind!

Meine [fünffältige Berufung] „Brücken bauen – Türen öffnen – Räume schaffen – Beziehungen knüpfen – Horizonte weiten“ wird auf drei Arbeitsfeldern wirksam:

  1. Ich will ein [24/7-Gebet in meiner Stadt] koordinieren; ich kann mich sowohl beim charismatischen Lobpreis sportlich verausgaben, als auch zur Ruhe kommen und im Chorgestühl eines Klosters die Tagzeitenliturgie mitfeiern, oder einfach nur vor Gott schweigen. Das alles ist mir nicht fremd;
  2. ich will hinausgehen und das Evangelium tatkräftig verkünden und vorleben, ich möchte mit meinem Gemeindeteam [wachsende Zellgruppen über Konfessionsgrenzen hinweg] auf den Weg bringen und damit selber zeigen, dass es auch anders als in der innovationsresistenten Mainstreampastoral geht;
  3. ich möchte, dass die Evangelische Allianz in Osnabrück zur ambitionierten, multikonfessionellen Speerspitze aller missionarischen Gemeinden und Gruppen in der Stadt wird. Darum arbeite ich als Schriftführer mit.

Den deutschen Katholizismus ruhen zu lassen, ohne die Brücken und Beziehungen abzubrechen, und in der weltweiten Pfingstbewegung mitzuarbeiten (ja, auch das ist Weltkirche!) fühlt sich für mich an wie ein Eintritt in eine geistliche Gemeinschaft. Ohne es im Voraus geahnt zu haben durfte ich die den Katholiken bekannten Phasen eines solchen Eintritts erleben: Den Ostergarten als potentielle Weichenstellung, mein erstes „freiwilliges Jahr“ als Volunteer in den Arbeitsbereichen der Gemeinde und als Neuling im Bundesverband. Dann folgten drei Jahre Trainee-on-the-job, in denen ich als Katholik für die Webmastertätigkeit beim charismatischen Mülheimer Verband bundesweit angestellt war und in denen ich weitere Verbandsgemeinden kennenlernen durfte, mich in die [MV-DNA] einarbeiten konnte und vor allem [die junge Pastor/inn/enschaft schätzen und lieben gelernt] habe. Die entscheidenden Motivationen dafür habe ich ausgerechnet auf zukunftsrelevanten Veranstaltungen meiner „alten Firma“ bekommen, [hier] und [hier], das ist schon ziemlich abenteuerlich. Daher muss mein Weg auch kein Vorbild für andere sein. Ich bin allerdings ja nicht der einzige Grenzgänger zwischen den Konfessionen, und jede/r von uns hat seinen je eigenen Kontext, Profil und Charisma.

„Siehe, ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann. Du hast nur geringe Kraft und dennoch hast du an meinem Wort festgehalten und meinen Namen nicht verleugnet.“ (Offb. 3,8)

Durch diese Tür hindurchzugehen, das ist jetzt dran. Nicht mehr, sie einfach nur zur Kenntnis zu nehmen, bzw. meine persönliche Betroffenheit davon weiter zu verdrängen oder Rücksicht auf die kirchl. Tradition zu nehmen. Wozu auch? Für ein leckgeschlagenes Schiff? Auf der [„ECHT! 2019“] in Bremen hatte ich das noch nicht richtig verstanden. Beim Rangergottesdienst vor sechs Wochen hat [Gott Klartext mit mir] geredet. Danach beim [„mittendrin 2019“] (der „katholischen ECHT“…) gab es Rückendeckung und Bestärkung mit „meiner“ Losung 2. Tim. 1, 6-8a und dem obigen Wort Gottes an mich.

Der auch im kath. Katechismus beschriebene „klassische Dreierschritt“ Bekehrung – Taufe – Firmung verläuft bei mir – wie bei vielen, die aus einer Traditionskirche kommen – formell gesehen umgekehrt: Babytaufe (ohne eigene Glaubensentscheidung) – Firmung/Konfirmation – Bekehrung – Lebensübergabe – Geisttaufe … und nun? Die Taufentscheidung meiner Eltern habe ich zwar als Erwachsener (und vor Zeugen) ratifiziert, und beim Schreiben meiner religionspädagogischen Diplomarbeit vor 35 Jahren „Ein neues Pfingsten der Kirche – Der Weg des Glaubens und die Grundaufgabe der Seelsorge“ durfte ich anfangen, in Sprachen zu beten, aber mein eigenes, persönliches Taufversprechen und sein vollständiger Vollzug fehlt mir. Er wurde halt nur angedeutet – vielleicht aufgrund dieser Form sogar eine Chance für die [Weiterentwicklung der Taufpraxis] im Sinne von „back to the roots“? Wer weiß! Jedenfalls ein existentieller Mangel, der mir immer deutlicher wurde. Ein geistlicher Hunger und Durst nach ganzheitlicher Gemeinschaft mit Jesus und seiner Kirche. Der konkrete Schritt durch diese Tür hindurch ist das Versprechen der Absage an alle Kräfte, die von Gott und voneinander trennen, und der vollständigen Bindung an Jesus:

„Nimm mich auf Herr, du hast es mir so eloquent verheißen, und ich werde leben. Und lass mich nicht konfus werden angesichts der Erwartungen, die ich nicht nur selber hege, sondern die auch auf mich einstürmen! – Suscipe me Domine, secundum eloquium tuum et vivam. Et ne confundas me ab expectatione mea!“

singen die Benediktiner/innen dreimal bei ihrer Profess. Meine „Probezeit“ war nun wahrhaftig lange genug, und sie war gut, mit allen Höhen und Tiefen und allen, die Wegbegleiter waren und es weiter sind! Danke, Papa.

„Klar zur Wende?“
„Ist klar! – Fock over!“
„Am Wind liegt an!“

Und übrigens, was ich bis vor sechs Wochen auch nicht wusste: Tim ist in der Crew! Wir gehen diesen Schritt gemeinsam.

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! In seinem großen Erbarmen hat er uns neues Leben geschenkt. Wir sind wieder gezeugt (ἀναγεννήσας), weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, und jetzt erfüllt uns eine lebendige Hoffnung. (1. Petr. 1, 3)