„Geschwisterliche Gastfreundschaft ist das beste Zeugnis für das Verhältnis zum Vater“,

sagt PP. Franziskus in der [Sonntagsmesse vom 12.07.2015 in Asunción/Paraguay zu Mk. 6, 7-13]. Er schreibt uns ein Charisma ins Stammbuch, das nicht nur jede/r persönlich anwenden kann, sondern das bis in unser konfessionelles Miteinander hineinreichen muss:

„Wie oft denken wir an die Mission auf der Grundlage von Projekten und Programmen! Wie oft stellen wir uns die Evangelisierung in Verbindung mit tausend Strategien, Taktiken, Manövern, Kniffen vor und meinen, dass die Leute sich aufgrund unserer Argumente bekehren. Heute sagt es uns der Herr ganz klar: In der Logik des Evangeliums überzeugt man nicht mit Argumenten, mit Strategien, mit Taktiken, sondern einfach, indem man lernt zu beherbergen, Gastfreundschaft zu gewähren.

Die Kirche, wie Jesus sie möchte, ist das Haus der Gastfreundschaft. Und wieviel Gutes können wir tun, wenn wir uns dazu aufschwingen, diese Sprache der Gastfreundschaft, diese Sprache des Empfangens, des Aufnehmens zu lernen. Wie viele Wunden, wieviel Verzweiflung kann man heilen in einem Heim, wo einer sich willkommen fühlen kann. Darum muss man die Türen offen halten, vor allem die Türen des Herzens.

Gastfreundschaft gegenüber dem, der nicht so denkt wie wir, gegenüber dem, der keinen Glauben hat oder der ihn verloren hat – und manchmal durch unsere Schuld. Gastfreundschaft gegenüber dem Verfolgten, dem Arbeitslosen. Gastfreundschaft gegenüber den verschiedenen Kulturen, an denen dieses Land Paraguay so reich ist. Gastfreundschaft gegenüber dem Sünder, denn ein solcher ist auch jeder von uns.“

Von konfessionellen Kontroversen, Sakramententheologien oder gar Zugangsbedingungen steht da nichts. Warum machen die traditionellen Kirchen es den Menschen so kompliziert, Christus einfach nachzufolgen? Unsere drei Taufkandidaten haben in ihren Glaubenszeugnissen davon erzählt, wie sie die Gemeinde kennengelernt und erlebt haben. Im Hauskreis darf auch ich das erleben, hautnah.

Gastfreundschaft gehört zu den Basis-Charismen der Benediktiner/innen-Klöster und -gemeinschaften:

Alle Gäste, die kommen, sollen wie Christus aufgenommen werden, denn er wird sagen: ’Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen’“. (Regel Kap. 53)

Es ist Jesus höchstpersönlich, der uns in den Gästen mit seiner Gegenwart beschenkt.  Benedikt empfiehlt daher, die eigene Identität als Christ nicht den Gästen unterzuordnen, sondern zuerst zum gemeinsamen Gebet einzuladen (53, 4). Das kann man spätestens bei Tisch machen. Wie man dieses Charisma weiter ausgestalten kann, ist hier zu lesen: [5 Tipps für einen gastfreundlichen Alltag.] Viel Erfolg beim Horizont-Erweitern!