Keiner kann sich den Erschütterungen entziehen, die einen im Lauf des Lebens aus der Bahn zu werfen drohen oder schon einmal geworfen haben. Das Auf und Ab der Lebens- und Glaubenskurve haben alle unsere drei Taufbewerber in ihren persönlichen Zeugnissen sehr eindrucksvoll beschrieben. Auch die Jüngste mit ihren 14 Jahren konnte davon erzählen. Da brauchen wir Jesus, der uns durchhilft. Jesus, der den Jüngern auf der aufgewühlten Flut entgegenkommt und Petrus wieder aus dem Wasser zieht. „Habt Vertrauen, fürchtet Euch nicht!“ (Mt. 14, 27, eine bemerkenswerte Parallele zu meinen Erfahrungen gestern auf der Wallfahrt nach Telgte). Im Wasser stehend bejahten es alle drei, mit Jesus weiter durchs Leben gehen zu wollen, dem Bösen abzusagen und ihre Gaben in den Dienst der Gemeinde zu stellen. Wir Mitfeiernde hatten vorher Gelegenheit, in einer Minute der Stille unser eigenes Taufversprechen zu erneuern. Die Gäste, Verwandte und Arbeitskollegen der Taufbewerber, wurden eingeladen, Jesus in ihr Leben hereinzulassen.

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Anschließend wurde weiter gefeiert, wie in unserer Gemeinde üblich, mit „meet & eat“. Viele hatten zum reichhaltigen Salatbüfett etwas beigetragen, und trotz des leichten Regens wurde der Grill angeworfen. Viele Gespräche an den Tischen drehten sich auch um die Erfahrungen dieses Gottesdienstes, um Taufe, um Glaube, um lebendige Gemeinde. Bis über den Mittag hinaus blieb man beisammen.

Manches Gemeindemitglied hat diesen Schritt der Erwachsenentaufe vollzogen, obwohl sich deren Eltern einmal zur Taufe ihrer Säuglinge entschlossen hatten. Aber viele erzählen auch, dass es wohl mehr die Pflege eines Brauchtums war, statt einer Glaubenssache. Viele haben ihre Eltern trotz Säuglingstaufe als kirchenfern und im Prinzip als ungläubig erlebt – nie wurde über den Glauben gesprochen, oder er sogar abgelehnt, geschweige denn dass gemeinsam gebetet wurde.

Nach katholischer Auffassung wirkt ein Sakrament nicht nur durch den „objektiven, amtlichen Vollzug“ (ex opere operato), sondern ist auch abhängig von der Bereitschaft des Empfängers, Jesus im sakramentalen Handeln anzunehmen und seinen Heiligen Geist wirken zu lassen (opus operantis). Wenn letzteres fehlt, ist eine Sakramentenspendung wirkungslos, also eigentlich hinfällig. Wenn also jemand, der oder die sich von Jesus neu hat finden lassen, gar keinen Zugang zu mehr oder weniger fromm gemeinten Riten seiner Kindheit hat, dann sollte die Entscheidung zur Erwachsenentaufe nicht kontrovers als „Wiedertaufe“ disqualifiziert werden. Wer aber als Erwachsener seine Kindertaufe „ratifizieren“ kann, sollte dies auch in einem bewussten Akt der Lebensübergabe (vor Zeugen) tun. Alle aber können und sollen ihr Taufversprechen von Zeit zu Zeit erneuern, bei der Mitfeier von Taufen, bei geistlichen Tagen, in der Osternacht. Die Gemeinden des „Mülheimer Verbands“ vertreten keine Sakramentenlehre in konfessionell differenzierender Art und Weise, sondern lassen diese Fragen bewusst offen. Daher ist die Erwachsenentaufe zwar logisch, ihr Vollzug aber kein Muss. Der Geist weht, wo und wie er will.