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Das Kind in der Krippe liegt nicht auf dem abgedroschenen Stroh der Vergangenheit, sondern auf Zeitungspapier, mit den top-aktuellen Schlagzeilen.

Die Herrscher dieser Welt unterdrücken ihre Völker und missbrauchen ihre Macht über die Menschen. „Bei Euch aber soll es nicht so sein! Wer bei Euch groß sein will, der soll Euer Diener sein.“ (Mk. 10, 42-45)

Christen haben einen anderen Maßstab durch das Kind, das zu uns gekommen ist. Es ruft uns zu: Wenn das Wohl aller Menschen, und nicht das Gesetz der Stärke das Handeln bestimmt, könnte Euer Zusammenleben im Kleinen wie im Großen ein neues Gesicht bekommen und das Licht die Finsternis durchbrechen. Wo sich dieses Licht dann auf die Lokalseiten legen lässt, auf die Wirtschaftsseiten, auf die Kulturseiten, die Sportseiten, auf die Magazine jeder Art, wo dieses Licht sich hinlegen lässt, dann regt sich neues Leben in der Konfrontation mit unserem Alltag und seinen Abgründen, mit Streit, mit Einsamkeit und Verbitterung, mit Angst und Not, mit Resignation und Nacht.

Jesus lässt sich einwickeln in das Zeitgeschehen, er ist so sehr verwickelt in die Menschheitsgeschichte, dass er sich nicht mehr daraus lösen kann, sondern sie und uns er-lösen muss aus allen lebensfeindlichen Abhängigkeiten mit ihrer Todesverfallenheit. Jesus hat keine Berührungsängste mit Kranken, Aussätzigen, Obdachlosen, auch seelisch Heimatlosen, mit Sündern, die sich von Gott abge-sondert haben. Er breitet die Arme aus, in der Krippe und später am Kreuz.

Inmitten der vielfältigen „Traghölzer und Joche auf den Schultern der Menschen“ und inmitten der „Stöcke der Treiber“ die uns innerlich und äußerlich hetzen und jagen, inmitten der „Stiefel“ derer, die die Würde der Menschen mit Füßen treten wird uns zugerufen: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, man nennt ihn „starker Gott“, „Fürst des Friedens, und sein Friede hat kein Ende, denn er stützt sich auf Recht und Gerechtigkeit“, die er uns zeigt in seiner unendlichen Barmherzigkeit (Jes. 9, 1-6). Wenn wir auf dieses Kind schauen, auf Zeitungspapier gebettet, dann schauen wir Gott, der sich zutiefst verbindet mit der menschlichen Existenz eines jeden von uns. Er will uns trösten und Hoffnung schenken. Wenn wir seinem Wort vertrauen, werden unsere Worte glaubwürdig. Die Welt der Abgründe, der Selbstdarstellung, der bösen Nachrede soll uns nicht mehr anziehen, als das faszinierende Gesicht unseres Mensch gewordenen Gottes. In ihm blickt er selbst uns an. (nach Franz-Josef Bode, 25.12.2015)

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