andreas-mitarbeitertag_08_128Mitarbeitertag in meiner Gemeinde. Der Gemeindeverband möchte Mitarbeiter stärken und geistlich coachen. Einer der Pastoren ist dafür beauftragt, neben seiner Tätigkeit als Gemeindepastor in Berlin. Bei den Multiplikatoren anzusetzen ist ein guter Weg. Es ist ein wenig
wie „Visitation“ durch die Verbandsleitung: Gespräche mit dem Gemeindeleitungsteam, mit dem bzw. den Pastoren und Gemeindereferenten (wo es sie gibt), dann der geistliche Tag mit den Mitarbeitern und Interessenten, Sonntagsgottesdienst mit Predigt. Wie im Mülheimer Verband üblich: Ganz ohne Hierarchie, Amtsautorität und Verwaltungs-Gehabe, sondern absolut geschwisterlich – glaubwürdig allein durch das persönliche Glaubenszeugnis.

Hans-Peter Pache hat sich dieser Aufgabe mit Engagement und geistlichem Tiefgang gestellt. Mir hat es gut getan, die eigene Berufung und die Aufgabe einer christlichen Gemeinde für die Stadt auf den Prüfstand zu stellen und neu zu justieren. Fünf Schritte haben wir gemeinsam in den Blick genommen – und ich sehe sie aus meiner persönlichen Perspektive so:

1. Träume groß!
(… und starte klein.) Diesen Slogan kenne ich aus dem Management. [Dave Ferguson und Lothar Krauss] haben ihn in den kirchlichen Kontext übersetzt. Um voran zu kommen, braucht es ein Ziel, oder wenigstens eine Vision dessen, was ich erreichen möchte. Für Christen besteht dies nicht aus Selbstverwirklichung, und eine christliche Gemeinde existiert nicht als Selbstzweck oder Wellness-Oase für ihre Mitglieder. Christen SIND eine Mission (Franz-Josef Bode)! Meine Gemeinde hat ihre Vision von [Willow-Creek] abgeschrieben. Es ist höchste Zeit, die eigene Vision einmal selbstständig zu formulieren, denn wir sind ja nicht nach Chicago ausgesandt, sondern in die Friedensstadt Osnabrück. Den ersten missionalen Schritt „hinaus in alle Welt, bis an die Grenzen der Erde“ setzen wir unmittelbar vor unserer Haustür. Genau hier will das Reich Gottes schon zur Wirkung kommen: Frieden, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Menschenrechte, Rettung aus Finsternis und lebensfeindlichen Bindungen, Erlösung, Heilung … Denn: Gott ist ein unbedingter Freund des Lebens! Den Tod des Sünders will er nicht (Hes./Ez. 3, 11). Gott ist gut (5. Mos./Dtr. 32, 4; Lk. 18, 19). „Ein Christ ist auch nie allein. Ihr seid immer zu Viert, weil Gott immer den Sohn und den Heiligen Geist mitbringt.“

2. Geh mutig voran!
Hans-Peter Pache erzählt von Abraham. Er war kein Überflieger, sondern sah sich vor große Zumutungen gestellt. Die Verheißungen Gottes waren für ihn kein Leckerli fürs Brav-Sein, sondern lagen ja noch vor ihm, genauer gesagt: galten den Generationen nach ihm. Ein Leben voller Fragen! Und ein Vorbild für Treue im Festhalten an seinem Lebenstraum. Ähnlich Mose: „… und jetzt geh!“ (2. Mos./Ex. 3, 10), der sich für alles andere als geeignet hält, als Gott ihn beruft. Mir wird warm ums Herz: Gilt diese Stimme Gottes doch auch mir (und vielleicht Dir?), als ich den Text [vor gar nicht langer Zeit ganz neu gehört] habe. Und wo ich meine Schritte hinsetzen darf, dort „ist heiliger Boden“ (2. Mos./Ex. 3, 5). „Geistliches Leben ist nicht dazu da, um konserviert zu werden!“ JETZT geh, mutig, zuversichtlich, besonnen, furchtlos in der Kraft des Heiligen Geistes, aber geh! Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

3. Verankere Dein Leben in Jesus!
Gott, der Freund des Lebens, verschenkt es. Er selbst ist ganz bei denen, die ungerecht zu leiden haben, ja die zugrunde gehen. Er wird selbst zum Opfer mit denen, die den menschlichen Machtgelüsten zum Opfer fallen, sei es in den Kriegen oder den Unterdrückungs-Systemen dieser Welt und Zeit. Das ist der Erweis für die Treue Gottes! Gott hat seine Treue an Jesus festgemacht. Woran mache ich den Anker meines Lebens fest? Wann und wodurch treibt mein Anker manchmal grundlos im Wasser? Es mag für manchen ein großer Schritt sein, aber es ist leicht, sein Leben an Jesus fest zu machen. Wenn ich das hinausschiebe, bis ich in Krisen komme, dann wird es unglaublich schwer. Mir kommt der Vers meiner Neubekehrung wieder in den Sinn: „Entfache die Gnadengabe neu, die Dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!“ (2. Tim 1, 6-7) Ja, ich darf diese Charismen in Anspruch nehmen, die mich mit Jesus verbinden und mich frei machen von allem, was mich am Engagement hindert. Und das ist jetzt gefragt, nicht irgendwann später. Denn Jesus hat am Kreuz für alles bezahlt.

4. Komm zur Quelle der Liebe!
Wir sehen ein Foto von der [„Liebesquelle“ in Woltersdorf bei Berlin]. Ihr wird aphrodisierende Wirkung nachgesagt, und so kamen jahrzehntelang die Menschen mit Flaschen und Gefäßen dorthin, um das Wasser mit nach Hause zu nehmen. Pilgerschaft wie zu einem verweltlichten Lourdes! 2005 versiegte die Quelle leider, und damit der Legenden-Tourismus, zum Leidwesen der Gastronomie und der Souvenirhändler. Dann entschloss sich der Verschönerungsverein 2011, eine Wasserleitung zu legen, und nun sprudelt sie wieder, die „Liebesquelle“ mit ihrem historischen Becken, frisch renoviert und wie aus dem Ei gepellt …

Alle Gnadengaben, auch die vermeintlichen Charismen, sind wert- und wirkungslos, wenn sie nicht aus der Liebe Gottes zur Welt und aus der Liebe Christi zu mir gespeist sind. Beim Jüngsten Gericht fragt Jesus ja nicht: Wie oft hast Du „Herr, Herr“ gebetet, oder: Hast Du auch das Sprachengebet praktiziert, bist Du beim Torontosegen zu Boden gegangen, hast Du den Ungläubigen ihre Verdammnis prophezeit, sondern: Hast Du den Hungrigen zu essen gegeben? Hast Du den Durstigen zu trinken gegeben? Hast Du Fremde und Obdachlose aufgenommen? Hast Du Nackten Kleidung gegeben, Kranke und Gefangene besucht? (Mt. 25, 31 ff.) Ohne liebende Aufmerksamkeit kann ich das alles gar nicht wahrnehmen, sondern setze vielleicht erstmal Obergrenzen fest … Ohne Liebe werde ich nicht zupacken können. Ohne Liebe merke ich nicht, dass Jesus mir in den Notleidenden persönlich begegnet und mich fragend ansieht. Denn sein Heiliger Geist ist genau in solchen Situationen real erfahrbar, wenn er mich zum Guten antreiben möchte. Die Quelle der Liebe sprudelt weniger in unseren Kirchen oder in der Stille, sondern vor allem auf der Straße!

5. Diene gut!
Daran schließt sich das Thema des Sonntagsgottesdienstes unmittelbar an. Mir fällt ein Satz aus einer Predigt ein, der sich bei mir eingebrannt hat: „Wer bei Jesus Karriere machen will, der muss Füße waschen!“ (Joh. 13, 1-17) Für die Mitarbeit in meiner Gemeinde habe ich vor einem Jahr eine erste Konsequenz gezogen. Nun geht es bei meinem „Training on the job“ um weiteres, verbindliches Engagement. Wie eng soll / darf ich mich an die Gemeinde binden? Wenn ich mich als Brückenbauer verstehe, sollte ich keine Pfeiler abbrechen oder gar Verbindungen kappen. Eine Brücke steht unter Spannung, die gilt es auszuhalten. In der Kraft des Heiligen Geistes wird das gehen.

Eine Brücke zu beschreiten, kann zur Folge haben, dass Türen zu öffnen sind. Die Offenheit und Herzlichkeit der Gemeindemitglieder beschämt mich. Begegne ich ihnen mit dem gebührenden Respekt? Ich weiß, dass einige von ihnen mich auch in Frage stellen. Gehe ich zu forsch vor? Management-Regeln („Dream big – start small – scale fast“) mögen auf Konzerne wie Google zutreffen, aber sie können auch nach hinten losgehen. Wie ist es um meine liebende Aufmerksamkeit bestellt? Diene ich – ja, aber eher schlecht? Ich bin zwar „in den Augen Gottes eine bedeutende Person“ wie Hans-Peter Pache es jeder und jedem [in seiner Predigt] zuspricht, und Mut macht, und in Bewegung zu bringen versucht, aber doch nicht, um mich in den Vordergrund zu spielen. Es geht um nicht weniger als um den Leib Christi, der in unserer Zeit die Gemeinde ist mit ihren vielen und vielfältigen Gliedern. Wir sind Tempel des Heiligen Geistes! Wir haben Christus zu verkündigen und nicht uns selbst. Nicht nur die Kirche, diese Gemeinde, ist eine Baustelle, sondern auch ich selbst. „Fürchte Dich nicht!“ gilt auch diesen Bereichen meiner / unserer Persönlichkeit. Jesus, lass uns da mal reinschauen: „Ohne Dein lebendig Weh’n kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.“ (Pfingstsequenz)

Am Ende des Mitarbeitertags ist es dieser mittelalterliche Hymnus, den ich mir wieder heraussuche. Ich werde ihn in meinen Koffer für die nächste Tagung packen, als geistliche Marschverpflegung, um das Wesentliche nicht aus den Augen und aus dem Sinn zu verlieren. „Frischen Geist in den Gliedern“ werden wir immer wieder brauchen. Dann gibt’s auch „neuen Mumm“ in der Kirche Gottes. Aber wir müssen uns schon selbst bemühen und jeden Tag neu unser Zeitfenster für Jesus frei halten, damit seine Freundschaft zu uns sich nicht in Belanglosigkeit auflöst.

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