Ich möchte mit dem Bischof reden und bekomme einen Termin. Bis vor kurzem war er mein Dienstvorgesetzter und ich möchte ein Abschlussgespräch über meine Berufszeit als Gemeindereferent führen. Außerdem hat er als Vorsitzender der Pastoralkommission der Bischofskonferenz ein besonderes Augenmerk auf Entwicklung und Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Bevor das Bistum aber im synodalen „2. Zukunftsgespräch“ die anstehenden Entscheidungen trifft, sind alle zu einem geistlichen „Jahr des Innehaltens“ eingeladen, um aus dem Hamsterrad auszubrechen und erst einmal [„zu Atem zu kommen“]. Er weist mich darauf hin, dass unser Seelsorgeamt an alternativen Gemeinde- und Personalmodellen arbeite, die man abrufen könne. Es gäbe auch einige Initiativen, die außerhalb der üblichen Pfarrseelsorge neue Wege gehen, u.a. [„Nightfever“], bei dem er selbst schon einmal mitgewirkt habe, und [Kirche²], das von den Nachbarn des Bistums Hildesheim jetzt zusammen mit der ev.-luth. Landeskirche nach Weser-Ems rübergeschwappt sei und wo ich gut mitarbeiten könne. Auf den freikirchlichen Duktus in Evangelii Gaudium angesprochen, der selbst [evangelikalen Rezensenten] in den Kernaussagen (bes. Nrn. 3 und 164) aufgefallen ist, entgegnet mir der Bischof „ja, von den Freikirchen, da können wir sehr viel lernen“. Dass diese kleine Bemerkung bereits Perspektiven untermauert, die sich für mich abzeichnen, konnte ich am Beginn dieses Jahres in ihrer ganzen Tragweite jedenfalls noch nicht ahnen.

Auch wenn mein Angestelltenverhältnis mit dem Bistum beendet ist, habe ich meine Berufung nicht bei der Verabschiedungsfeier an der Kirchentür meiner ehemaligen Dienststelle abgegeben, soviel ist erstmal klar. So ermutigt kann ich die nächsten Schritte gehen.