Seit 30 Jahren bin ich wieder in einer Gebetsgruppe. 6-8 Leute treffen sich wöchentlich, um den Aufbau und die Zeit des Ostergartens geistlich zu begleiten. Einer übernimmt die Leitung, die er ziemlich professionell ausübt, indem unter der Woche Anliegen gesammelt und wichtige Vorgänge auch protokolliert (!) werden. Auch die Gebetsstille kommt nicht zu kurz. Prophetische Bilder tauschen wir miteinander aus – ich bin in einer charismatischen Gemeinde. Unter zwei Stunden gehen wir selten auseinander.

Inzwischen habe ich schon viele Standards des Gemeindelebens kennengelernt von denen ich mich wundere, dass sie nicht in meinem bisherigen Gemeindekontext vorkommen. Das fängt beim „Hallo-Team“ vorm Gottesdienst an und geht über die regelmäßigen Tonaufnahmen der Predigt und deren Internetpräsenz über das zweiwöchentliche offene Seelsorge- und Einzelsegnungsangebot nach dem Gottesdienst durch geschulte Gemeindemitglieder bis hin zu den Haus- und Gebetsgruppen, die sich zu verschiedenen Schwerpunkten regelmäßig treffen. Die Gemeinde ist beziehungsstark, nicht nur aufgrund ihrer relativen Überschaubarkeit, sondern auch wegen der Beziehungsintensität durch ihre Mikrostruktur. Das Kirchencafé tut ein Übriges, um Kontakte zu pflegen. Das Sprechen über Glaubensfragen ist überhaupt kein Tabu, im Gegenteil: Der Austausch darüber ist ausgesprochen lebendig. Viele haben ihre persönliche Begegnung mit Jesus Christus als Wendepunkt erlebt und erzählen gerne davon.

Wie war das noch in Evangelii Gaudium? Was stand da unter Nr. 3 und was war nochmal die „Mitte jedes Bemühens um kirchliche Erneuerung“ (164)? Wird hier offensiv gelebt, was Katholiken und Landeskirchler weithin nicht hinbekommen? Ich bin nur noch neugierig…

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