Kann ich ein solches Ungetüm auf Fahrt und auch wieder ordentlich zum Stehen bringen? Yes, I can! Auf den Punkt genau. Na, ob das Fahren einer schweren Güterzuglok ein geistlicher Vorgang ist, sei einmal dahingestellt. Aber Eisenbahnen und ihr Drumherum stehen in meinen Träumen immer wieder mal symbolisch für Neuanfänge in meinem Leben (Apg. 2, 17 zit. Joel 2, 28). So war es auch vor einem Jahr, als ich noch nicht die geringste Ahnung von dem hatte, was inzwischen passiert ist.

Nun also der Realitätstest mit der Gelegenheit, im Rahmen des 21. Festes im und am Meininger Dampflokwerk nach einer theoretischen Einführung die Dampflok der Baureihe 50 3501 selbst eine kurze Strecke hin und her zu fahren:

Man muss die Ventilsteuerung, den Dampfregler und das Bremssystem mit ganz viel Gefühl (!) richtig koordinieren, und zwar alles „mit Links“, die rechte Hand liegt auf dem Fensterholm, weil man selbstverständlich dabei auch noch die Streckenseite mit ihren Verkehrszeichen und Signalen zu beobachten hat. Das Gleis unmittelbar vor der Lok ist nicht einsehbar, man fährt quasi „blind“ in die Strecke hinein! Alles geschieht mechanisch-analog und manuell und erfordert entsprechenden Körpereinsatz, vor allem das Drehen der Ventilsteuerungskurbel. Allerdings brauchten wir „Fahrschüler/innen“ (ja, auch eine junge Frau war dabei) auf der kurzen Strecke nicht dem Heizer immer die Feuerbüchsenklappe zu öffnen und zu schließen, was auch noch zu den Aufgaben eines Lokführers gehört. Dampflokfahren ist eine anspruchsvolle Arbeit und nicht mit dem entspannten Fahren eines Autos mit automatischem Doppelkupplungsgetriebe zu vergleichen. Im Unglücksfall beträgt der Bremsweg mit einem Personen- oder schweren Güterzug am Haken etliche hundert Meter. ABS gibt es nicht, und die Räder dürfen keinesfalls blockieren.

Nach dieser Symbolerfahrung am eigenen Leib gehe ich gut motiviert in die Leiterschulung am kommenden Wochenende. Ob Leitungsdienst „mein Ding“ ist, werde ich wissen, wenn ich die Kursmodule absolviert habe. Das ist noch ein bisschen hin.

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