Der zweite Aspekt früher Stätten der Christenheit, der mich beeindruckt. 24 Hauskreise bzw. Hausgemeinden sind historisch belegt. Man traf sich in den normalen Bürgerhäusern, und zwar Menschen aller Schichten. Hauseigentümer öffneten ihre Hauskreise besonders für minder Bemittelte, Witwen, Sklaven. Bei St. Petrus in Ketten und besonders an St. Praxedis kann man es außen bis heute sehen. Erst 500 Jahre später und noch einmal in der Barockzeit, als die Stadt Rom aus relativer Bedeutungslosikeit wieder erstand, hat man dahinter die heutigen Kirchen gebaut, oft unter Verwendung von antikem Säulenmaterial aus den Trümmern des Forum Romanum.

Hauskreise, „kleine christliche Gemeinschaften“ sind also keine Erfindung von wachsenden Freikirchen für die Gemeindestruktur der Postmoderne. Aber sie sind auch kein „alter Hut“, der ins Museum gehört. Sie machen Gemeinden beziehungsstark, zu apostolischer Zeit und heute. In ihnen wird Seelsorge aneinander erlebbar. In ihnen ist Jesus gegenwärtig, immer dann, wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind (Mt. 18, 20). Da ist Kirche – nicht erst, wenn ein Kirchbau glänzt und hochwürdige Ämter besetzt werden.

Der römische Barock erschlägt mich fast. Das Gold an der Decke von St. Maria Maggiore gehörte einstmals den Ureinwohnern von Südamerika. Was hat es hier zu suchen? „Geld spielte im Barock bei den römischen Kardinälen und Fürsten überhaupt keine Rolle“, lernen wir von unserer guida turistica. Wollten sie Gott damit ehren, oder nicht im Grunde sich selbst Denkmäler setzen? Von einigen Päpsten weiß man das. Geistliches Leben war ihnen unbekannt. Umso schlimmer, wenn ihr Gold und Marmor den Untertanen abgepresst war. Eine solche Kirche taugt zu nichts mehr als ein Museum zu sein, das bestenfalls noch von Touristen bestaunt wird.

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