„Die wichtigste Pilgerstätte der Christenheit“, haben wir heute gelernt. Für die meisten der Menschenmassen im Petersdom ist die Petrusfigur vorne rechts kaum mehr als eine spektakuläre Kulisse für ein Selfie. Dennoch sind es noch Viele, die ihre Pilgerschaft mit dem Berühren eines der Füße bekräftigen. Auch ich reihe mich ein. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich hier.

Viel wichtiger war jedoch der Gottesdienst, den wir heute früh als Gruppe in der Seitenkapelle Pius X. feiern durften. Hier wurde Christus gegenwärtig, im Zusammensein unter seinem Wort, im Gedächtnis an Kreuz und Auferstehung, in der Gemeinschaft mit Brot und Wein. Unsere Väter und Mütter des Glaubens waren an dieser Stätte quasi mit dabei. Wir beten um gute Weichenstellungen bei den Beratungen der Bischöfte, für die Familien und die Zukunft der Gemeinden, aus denen wir gekommen sind.

Dieser beeindruckend riesige Petersdom – ist auch er „nur“ ein Museum? Als Pilger aus dem Land Martin Luthers weiß ich, wovon Michelangelo und Bernini besoldet werden konnten. Luther hat bei seinem Rombesuch noch das Meiste der alten Peterskirche aus der Zeit Kaiser Konstantins gesehen, aber auch dort und in anderen Kirchen der Stadt war die unheilige Allianz aus geistlichem Amt und staatspolitischer Machtfülle allüberall sicht- und spürbar.

Zum Glück gibt es eine Seitenkapelle, in der Gebetsstille herrscht, und ich kann mich von dem (immerhin etwas gedämpften) Touristentrubel etwas zurückziehen. Unser Wallfahrtsmotto ist „Kind-Sein“: Gott vertrauen – Jesus zum Freund haben – Freude im Geist ausstrahlen. In was für einer „Cloud“ kann ich meine Persönlichkeit geborgen wissen? Ich darf zur Zeit eine spannende Zeit als Volunteer erleben. Der Geist des Herrn weht, wo er will, auch in diesem riesigen Museum mit all seinem Drum und Dran – genauso wie in den Zelten unserer Flüchtlingsunterkünfte, die hoffentlich endlich beheizt werden können. Die Kinder dort haben keine Wahl, so wie ich im 24° warmen Rom und gefühlt noch wärmeren Innern des Petersdoms. Weder meine spirituelle „Cloud“, noch mein Glaube sind ein Wolkenkuckucksheim. Der Boden der Realität ist zu Hause, mit all seinen Ungemütlichkeiten für die Menschen und manchmal auch für mich.

Gleich breche ich mit einigen Mitwallfahrern auf nach St. Maria in Trastevere zum Abendgebet der Gemeinschaft St. Egidio. Das muss einfach sein, gerade an so einem Tag mit diesen Eindrücken von heute.