[Domradio Köln] hat den diakonisch engagierten Pfr. Franz Meurer interviewt. Er hat bislang acht Gespräche mit Kirchenaustritts-Willigen geführt. Das vorläufige Fazit: Mehr Seelsorge. Und mehr Christus. Und Jüngerschaft. Bemerkenswert finde ich, dass letztere nicht gerade aus der „charismatischen Ecke“ kommen.

PP. Franziskus hat in seinem Brief an die Christen in Deutschland noch einmal den Primat der Evangelisierung bei allen Strukturänderungen angemahnt. Pastoralteams verharren weiterhin in [Verständnis- und Hilflosigkeit]. Der Deutsche Katholizismus ist auf dem besten Weg, diesen erneuten Kairos zu verpassen. Der „Synodale Weg“ kuriert an den Symptomen herum. Bisher sehe ich nicht, dass das römische und mittelalterliche „System Hierarchie“ grundsätzlich und ernsthaft zur Diskussion steht.

In anderen Ländern geht man ganz anders vor, schon hinter der Bayrisch-Salzburger Grenze oder in der Schweizer Abtei Einsiedeln zeigt u.a. das [Missions-Manifest] Wirkung. Bei den romanisch-sprachigen Nachbarn gibt es seit über 20 Jahren [missionarische Pfarrzellen-Arbeit]. Bei uns in nur zwei kath. Gemeinden (in Kempten und Türkheim). Aber in über 10 freikirchlichen Gemeinden mit zwei verwandten Modellen der Protagonisten [Roberto Bottrel] und [Ron & Dave Ferguson]. Das sollte unbedingt anders werden! Mehr dazu beim [„Divine Renovation“-Kongress] im Oktober in Fulda.

Nicht nur ich, auch der Hauptreferent James Mallon hält ihn für die letzte Chance für die katholische Kirche in Deutschland. Seit einiger Zeit befindet sie sich bei mir persönlich in der Warteschleife. Ich engagiere mich lieber in einer gemäßigt charismatischen und evangelikalen Gemeinde des [Mülheimer Verbands], in der die Präferenzen des derzeitigen Papstes und seiner Vorgänger schon lange überzeugender angewandt werden – ohne dass sie diese Vernetzung in ihrem Profil explizit propagieren muss.

P.S. 10.08.2019:
[In dasselbe Horn stößt Matthias Alexander Schmidt], Redaktionschef von [kath.de], und ich stütze seine Sicht. Genau die beschriebene Altersgruppe bildet in meiner kleinen Gemeinde den Hauptanteil, nämlich 25+ (bis 65). Familien mit Kindern ab 0 sind bei uns jeden Sonntag willkommen. Die Kids feiern in 5 Gruppen altersgemäß religionspädagogisch gestaltete Parallelgottesdienste. Das bedarf eines großen Teams von Kindergottesdienst-Mitarbeiter/innen, die wir aber unter den Eltern finden. Entsprechend groß ist die wöchentliche Pfadfinderarbeit mit an die 100 Mitgliedern, die aber nicht alle Gemeindekinder sind, sondern durch Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Kindern und Jugendlichen gewachsen ist. Sie sind als [Royal Rangers] ausgesprochen missionarisch unterwegs – vorbildlich für alle Erwachsenen und Senioren! Bei uns kann man die Sakramentalität der Kirche hautnah erleben, so wie Matthias Schmidt es in seinem Kommentar erwartet – alltagstauglich und auf der Höhe der Zeit!

Seelsorge, Glaubenskompetenz, Lebens- und Gebetshilfe findet anscheinend in der Mainstreampastoral nicht statt. Nur Sakramentenverwaltung und -katechese. Dass die Kirche in Deutschland zu viel sakramentalisiert, statt zu evangelisieren, hat Heribert Mühlen schon vor Jahrzehnten angemahnt. Sein Konzept eines „Katechumentas für Getaufte“ mit einer gottesdienstlichen Feier der Tauferneuerung und Lebensübergabe wurde damals von der Deutschen Bischofskonferenz nur mühsam „zustimmend zur Kenntnis genommen“, mehr nicht. Eine verpasste Chance. Die Folgen dieser verhängnisvollen Ignoranz wollen Traditions-Hardliner bis in die Pastoralteams hinein immer noch nicht wahrhaben.