… oder in diesem Fall besser: radeln, denn die Gruppe der Fahrradpilger bei der [Osnabrücker Telgter Wallfahrt] wird immer größer. Im Unterschied zu den Fußpilgern, deren Zahl nach meinem persönlichen Eindruck deutlich zurückgegangen (ca. 8.000 werden geschätzt) und deren Altersdurchschnitt weiter nach oben gegangen ist.

Aber noch einmal: Wohin? Wir kennen die Fortsetzung dieses Bibelverses Joh. 6, 68: Herr, Du hast Worte ewigen Lebens! Das ist das Gute an der Telgter Wallfahrt: Man kann zu Jesus pilgern! Auch wenn die kath. Frömmigkeitstradition hier Maria als „Mutter der Schmerzen“, d.h. aller menschlicher Not fokussiert. Viele sehen das sehr individualistisch, aber die Notleidenden und Schiffbrüchigen neben uns werden in den offiziellen Texten des neu gefassten Wallfahrtsbuches nicht vergessen. Wohin sollen wir also gehen in unserem Leben? Zu Maria? Ich meine: Zu Jesus! Er ist der Retter, nur er ist der Mittler, er ist der Erlöser für die Not unserer Welt und Zeit, er ist Weg, Wahrheit und Leben. Das ist in Telgte (und auf der Brauchtums-Ebene der Marienverehrung) noch zu sehr verschwommen und viel zu undeutlich. Viele der Marienlieder sind theologisch unhaltbar. Ich muss sie ja auch nicht mitschmettern. Die (fehlenden) „Generationen Y und Z“ können eh nichts damit anfangen. Die Veranstalter sollten weiter an der Verbesserung arbeiten.

Die „Telgter Schmerzensmutter“ (Pietà) hält uns Jesus entgegen. Auch ihn kann man als Pilger berühren, den „Schmerzensmann“. Darum ist die Telgter Wallfahrt auch für evangelisch geprägte Christen attraktiv. In der Kirche zu verweilen, zu beten, die fast endlose Schlange der Pilger vor der Pietà betend zu begleiten – und dann fügt sich bei mir relativ schnell dieses innerliche Bild zusammen, für zu Hause, für meinen Alltag:

So wie Maria uns hier den gekreuzigten Erlöser entgegenhält, so haben wir, habe ich, zu Hause die unbedingte Pflicht, den Menschen Jesus entgegenzubringen – aber den lebendigen Jesus! Den auferstandenen Jesus, der heute lebt, für Dich und mich!

Die Botschaft dieser Wallfahrt 2019 für mich ist klar: Ich muss Maria nicht „anrufen“ als Heilige, womöglich als „Göttin“ (die Vorstellung von der „Himmelskönigin“ führt in dieses Abseits) – ich darf vielmehr ihre Rolle übernehmen in diesem „Setting“ Maria–Jesus–Mensch. Ich soll in meinem Netzwerk Influencer, Presenter für Jesus sein. An Maria kann ich Jüngerschaft lernen: Mir geschehe, wie du gesagt hast (Lk. 1, 38); was er Euch sagt, das tut (Joh. 2, 5). Aufmerksam, hörfähig, empfangsbereit dafür zu bleiben, was Gott mir sagt, und dann Not sehen und handeln.