Die Satellitenbilder zeigen es: Mit dem Shutdown des öffentlichen und industriellen Lebens bekommt die Schöpfung eine Atempause! Besonders durch die Reduzierung des Luft- und Autoverkehrs sacken die Messwerte nach unten ab. Auch bei mir zuhause können wir die Ruhe auf der Straße und die fehlenden Dieselbusse genießen. Mit einigen Wochen Pause lässt sich zwar nicht der Klimawandel bekämpfen, aber wir können sehen, was möglich ist. Insofern hat die Coronakrise durchaus auch ihre vorteilhaften Seiten – wobei eine gegenseitige Abwägung des Klimaschutzes gegen Menschenleben natürlich nicht seriös ist.

Es ist eine globale Warnung an uns alle. Wie leben wir, was hält uns zusammen (in Zeiten der Kontaktverbote muss sich jede/r damit auseinandersetzen), was dient meinem Mitmenschen und der Schöpfung? Die ganze Welt wird mit der Sinnfrage konfrontiert. Es ist zu hoffen, dass die Menschen sie auch an sich heran lassen! Angstprediger („Strafe Gottes“), Teufelspropheten („Satan hat sich mit dem Unternehmertum verbündet, um Gottesdienste sind zu verbieten,  aber stattdessen Geschäfte sonntags zu öffnen“), Verschwörungstheoretiker („Die Alten werden gezielt ausgerottet, damit die Flüchtlinge deren Wohnungen übernehmen und so das Volk ausgetauscht wird“) haben Hochkonjunktur, leider auch in den Kirchen. Wie im Mittelalter bedienen sie die Urängste des Menschen, auf verhängnisvolle Art und Weise.

Als Kirche merken wir auch, wie bescheiden noch unsere digitale Kompetenz in der Verkündigung ist. In vielen Gemeinden auch meiner Stadt herrscht Funkstille. Bestenfalls gibt es ein bisschen Telefonseelsorge. Pastoralteams können eben nur das, was sie immer schon gemacht haben. Ändern sich die Umstände, sind sie ideen- und konzeptlos. Man stelle sich vor, bis heute würden im kirchlichen Leben nur handgeschriebene Bücher zugelassen. Dass es kein „weiter so wie bisher“ geben kann, hat PP. Franziskus vor nunmehr sieben Jahren bereits vorausgesehen. Und wenn Maßnahmen ergriffen werden, dann soll die Kirche von gestern wieder hergestellt werden („Comeback“), was die Diskussion um Zölibat und Frauenweihe zeigt. Statt die hierarchische Verfassung der römischen Kirche grundlegend zu verändern und ganz neue Dienste und Ämter – gerade für die digitale Zukunft – zu kreieren. Die Strukturen haben sich in ihren ersten 1000 Jahren doch auch schrittweise entwickelt!

Wie wichtig ist unser Glaube, unsere Botschaft für Menschen, die buchstäblich aus der Bahn geworden worden sind? Interessiert es überhaupt noch irgendjemanden? Diakonisches Engagement, ein Pfund, mit dem die Urgemeinde wuchern konnte, gibt es heute auch ohne Kirche und Glaube, und das in oft beeindruckender Weise. Schöpfungsverantwortung, resilienter Lebensstil [Daniel-Plan], Lebensfreude und Gemeinschaftserfahrungen, das könnten die Felder sein, auf denen Gläubige unterwegs sind. „Kraft aus der Höhe“ (Lk 24, 49) nicht als Wolkenkuckucksheim, sondern geerdet in lebendigen Beziehungen und ohne jegliches konfessionalistische Hickhack. Nur damit ist unsere Botschaft glaubwürdig. Nach der Coronakrise können wir für eine neue Lebensqualität werben und sie auch praktizieren. In Eph. 4 gibts ein Modell dafür. Wo ist unsere Strategie?