Acht Minuten, 46 Sekunden. So lange dauert der Todeskampf von George Floyd unter dem Knie des Polizisten Derek Chauvin am 25. Mai 2020 in Minneapolis. Floyd soll seine Zigaretten mit einem falschen 20-Dollarschein bezahlt haben und wirkt angetrunken. Die Geschehnisse wurden von der [Süddeutschen Zeitung dokumentiert].

Lenny K. (5) wirbt für Menschenwürde (NOZ-Foto: Jörn Martens)

3.000 überwiegend junge Leute waren heute (05.06.2020) im Osnabrücker Schlossgarten bei der „Silent Demo“ für Menschenwürde und Völkerverständigung. 8:46′ Stille – ich hätte es nicht für möglich gehalten. Es sollte kein Happening sein, und selbst die mitgebrachte Boombox wurde solange zum Schweigen gebracht. Organisiert wurde das Gedenken an einen rassistischen Mord von einer kleinen Gruppe Privatleuten, wie in vielen anderen Städten parallel auch (8.000 in Hannover). Einige Redner/innen erzählten einfach vom Alltagsrassismus, dem sie auch in unserer Stadt und auch heute immer noch ausgesetzt sind. Unglaublich. Der jüngste war fünf Jahre alt.

Ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität mit Bürgern, die „anders“ aussehen als manche meinen, wie Menschen aussehen sollten! Missbraucht wurde die Veranstaltung von einigen Wenigen, die den Sinn von Polizei in einer demokratischen Gesellschaft nicht akzeptieren – die eben nicht „überall zugegen“ war, sondern sich dezent im Hintergrund hielt, und von einem Redner einer kommunistischen Splittergruppe, der nach seinen ganzen -Ismen das „Abfackeln von Polizeistationen“ für ein verständliches Kampfmittel gegen Unterdrückung propagierte, um danach Gewaltanwendung (anderer!) zu verurteilen. Naja… Denken ist halt nicht jedermanns Sache.

Es waren wenig Greyheads zugegen, zu wenig finde ich. Ob den vielen Youngsters bewusst war, dass im Gestapokeller des Schlosses, vor dem sie versammelt waren, nicht nur einmal gefoltert wurde, weil er oder sie anderer Meinung war als die damalige Staatsdoktrin? „I can’t breathe“ mag hier sinngemäß dutzendmal zu hören gewesen sein. Polizeigewalt etwas anderer Art als der angebliche „Polizeistaat“, der  hier von einigen auf hohem bürgerlichen Niveau bejammert wurde. Rassenhass, dessen Folgen nicht nur diese Stadt schon einmal in Trümmer gelegt haben. Das dürfen wir nicht vergessen – um unserer Zukunft und der Zukunft unserer Kinder und Enkel willen.