Ist Mt. 18, 20 vielleicht nicht bloß eine Anleitung für gemeindliche Notlösungen, sondern vielmehr ein einfaches Gemeinde-Aufbauprogramm? Dass sich mit diesem Jesuswort für mich persönlich Kirche konstituiert, und zwar mit voller Kraft: sakramental und real präsent („da bin ich mitten unter Euch“), habe ich angesichts der Corona-Maßnahmen [bereits thematisiert]. Gott braucht keine Gebäude, große Versammlungen, hierarchische Weiheämter, liturgische Riten. Sie mögen sinnvoll sein, und hoffentlich bei guter Vorbereitung auch schön, aber die Gegenwart Jesu ist nicht an unsere Handlungen gebunden. Lk. 24 erzählt von einer Weggemeinschaft von zwei Enttäuschten, zu denen unvorhergesehen ein Dritter stößt, der ihnen die Schrift (des Ersten Testamentes) auslegt und mit ihnen das Brot bricht. Und Mt. 25 zielt klar auf Diakonie, Zuwendung von Mensch zu Mensch. Dort und dann können wir Jesus Christus finden.

Ist nicht der globale Shutdown unserer Gewohnheiten jetzt die Chance, auf ganzer Breite Gemeindestrukturen neu zu begründen, die aus solchen Kleinstgruppen bzw. Weggemeinschaften bestehen? Seit fünf Jahren blogge ich über kaum etwas Anderes. Wäre jetzt nicht die Zeit, längst multikonfessionell bekannte Modelle anzuwenden, statt nur „die alten Schläuche“ wieder einmal zu flicken und möglichst schnell die alten Zustände wieder herzustellen? Planvoll und mit Mentoring 2 oder 3, die sich um Gottes Wort herum zusammentun und sich gegenseitig aufbauen und damit kommunikativ verwandeln lassen? Kirche aus [Kleinen Christlichen Gemeinschaften]! Neue Ekklesien [Peter Hundertmark] sollten die Normalform christlicher Gemeinden sein – am besten konfessionsverbindend!

In meiner Gemeinde tun wir das. Zunächst einmal 40 Tage lang, bis zu den Sommerferien.

Die drei Module sind: 1. Sonntagsgottesdienst mit Predigtreihe, 2. Tagesimpuls (unseres Pastors, könnten auch andere begabte Leute sein), per Mail und im [Youtube-Kanal], und 3. wöchentliches Zweier-/Dreiertreffen mit festen Gesprächspartner/inne/n, real oder per Telefon, Skype oder Jitsi, auch über unsere Gemeindegrenzen hinaus.

Das Format entspricht den „Exerzitien im Alltag“, die in der kath. Szene praktiziert werden. Aber eben nicht solistisch als persönliche spirituelle Erbauung vor den christlichen Hochfesten, sondern mitten in kritischen Umständen als Gemeinde-Reformprogramm! Das Projekt wird uns verändern, unsere pastoralen Gewohnheiten, unser Gemeindeleben, uns selbst, unser familiäres und gesellschaftliches Umfeld. Ziel: Nicht nur für 40 Tage „On Fire“ zu sein mit dem Geist Gottes! Sondern nach den Sommerferien aktiv „das Unvorhergesehene gestalten“ (Roger Schutz).

(Dass mein Blog schon [seit 2018] so heißt, mag ein fröhliches Indiz sein für den [Trampelpfad], auf dem ich mich vorfinde… und auf dem ich Gott sei Dank nicht alleine unterwegs bin.)