Ich habe mitgemacht. Nach ein paar Tagen Auszeit sind die Heimatkirchen von domradio Köln [wieder online]. Kritische Stimmen z. B. zur Kommunikationspolitik im Kölner Stadtdekanat sind also wieder zu lesen. Kritische Stimmen zu Theologismen an sich sind in den Reportagen von Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen schon noch zu sehen. Das Beispiel St. Lambertus Stromberg ist anrührend. Es geht an die Basics: Was heißt Christsein? Wozu sind Glaube und Kirche eigentlich da? Hier ist „meine Heimatkirche“:

Seit der „Regierungserklärung Evangelii Gaudium“ von PP. Franziskus ist die [Andreas-Gemeinde in Osnabrück] meine Heimatkirche, weil sie aus meiner Sicht die „missionarische Kehrtwende“ der Gemeindearbeit überzeugend umsetzt. Sie tut das nicht erst seit 2013, sondern schon seit ihrer Entstehung vor ca. 100 Jahren. Sie gehört zum „Mülheimer Verband freikirchlich-evangelischer Gemeinden“, der Mutter der Pfingstbewegung in Deutschland, und hat ein evangelikal-gemäßigt charismatisches Profil.

Ihre Kompetenz, ein „Obdach für die Seele“ (P. M. Zulehner) zu sein, hat sie in der Corona-Pandemie unter Beweis gestellt, indem sie nicht nur sofort auf digitale Gottesdienste umschalten konnte, sondern auch viele ihrer Mitglieder in spontanen Zweier- und Dreierschaften ihr Gebets- und Gesprächsleben aufrecht erhalten haben. Gebetsspaziergänge z.B. waren ja nie verboten! Die schon vorhandene Untergliederung in Hauskreise hat es auch ermöglicht, dass wir über Ostern und Pfingsten und monatlich nie auf die Feier der Eucharistie im häuslichen Kreis verzichten mussten (nach kath. Verständnis wären das ja immerhin Agapefeiern).

Was zuerst spontan begonnen hat, haben wir dann in den 40 Tagen zwischen Ostern und Pfingsten konsequent organisiert: Die Fragmentierung fast einer ganzen Gemeinde in Zweier- und Dreier-Kleinstgruppen! Vom Juni bis Juli trafen sie sich einmal unter der Woche zu Austausch und Gebet. Unter dem Generalthema des Emmaus-Ganges hat jeder Teilnehmer täglich einen biblischen Impuls per Youtube-Video, Textmail oder Brief bekommen, und in den Sonntagsgottesdiensten wurden die sechs Wochenthemen vertieft. Mittlerweile feiern wir wieder hygienisch korrekt in kleiner analoger Besetzung, aber übertragen weiterhin digital und werden das langfristig auch beibehalten – für „Messdiener/innen“ backstage ganz neue Tätigkeitsfelder!

So können wir hautnah erfahren, dass ein totaler pastoraler Lockdown nicht nur eine Krise der Hilflosigkeit ist, sondern auch eine Chance der Zukunftsfähigkeit, indem alle traditionellen Methoden und Aktivitäten auf den Prüfstand kommen und die Beziehungsstärke unseres Gemeindeprofils sogar gewachsen ist. Gott sei Dank haben wir eine Gemeindeleitung, welche die „Zeichen der Zeit“ versteht und danach fragt, was Gott für unsere Stadt jetzt auf seiner Agenda hat. Sie nimmt Jesus beim Wort mit seinem „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt. 18, 20).

Mit einer solchen Schwerpunktverlagerung auf „Kirche in klein(st)en christlichen Gemeinschaften“ mache ich mir um die Zukunft des Glaubens keine Sorgen. Das wäre auch ein Weg für die neuen Mega-Pfarreien.

Unsere Aktion „Zwei oder Drei“ im Youtube-Channel:
https://www.youtube.com/playlist?list=PL2oTS6yK1ukW16tX_lFHOp9-a9UOsdU7Z

Zum Beitragsbild: Manche Gemeindemitglieder wissen gar nicht, dass in meiner Heimatkirche 2020 jeden Sonntag beim Segenslied als Background für den Liedtext „ein Stück Petersdom in Rom“ zu sehen ist: Die Hl. Geist-Taube aus dem Hochaltar von Gian Lorenzo Bernini.

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