Mit dieser Überzeugung gehe ich in das Reformationsjahr 2017. Für mich beinhaltet das nicht Museumspädagogik (bei allem sinnvollen Gedenken und Feiern), sondern Zukunftsorientierung. Die Wegweiser sind aufgestellt, vom [Lutherischen Weltbund], von [PP. Franziskus], von [Kirchenleitungen auch in Deutschland], und vielen hoffnungsfrohen Initiativen von Christen (siehe die Linkliste „Mein Netzwerk“): „Mehr Jesus!“ lautet kurz und knapp die Devise. Sie holt einmal mehr die Grundidee des Pietismus und der evangelikalen Welt in die Katholizität der Kirche hinein und will sie fruchtbar machen für das 21. Jahrhundert. Mehr Jesus für mich, für Dich und für unsere Gesellschaft, besonders dort, wo sie krank vor Hass und Unfrieden geworden ist.

„In der Kirche der Zukunft geht es nicht um die Proklamation von Dogmen, sondern um Inkarnation der Liebe und Kraft Gottes in die Gesellschaft hinein“,

hat Ekkehart Vetter, der neue Vorsitzende der [Deutschen Evangelischen Allianz], schon 2009 visionär geschrieben [siehe Literatur-Basics]. Und fast dasselbe können wir 2013 bei PP. Franziskus lesen:

„Das Evangelium lädt vor allem dazu ein, dem Gott zu antworten, der uns liebt und uns rettet – ihm zu antworten, indem man ihn in den anderen erkennt und aus sich selbst herausgeht, um das Wohl aller zu suchen. Diese Einladung darf unter keinen Umständen verdunkelt werden!“ (Evangelii Gaudium Nr. 39 u.v.a.)

Das Problem freikirchlicher Mission bestand darin, den Menschen ihre Verlorenheit vorzuhalten, wenn sie sie sich nicht hier und jetzt bekehren. Ähnlich Angstmachendes kannte katholische Höllenpredigt ja auch. Evangelisierung als Grundaufgabe aller Kirchen und Gemeinden darf nicht länger aufdringlich oder gar manipulierend daherkommen, sondern muss einladend sein, beziehungsstark, sowohl spirituell als auch sozial. Damit wird Reformation zukunftsorientiert und missional. Sie braucht glaubwürdige Zeugen, an denen man bessere Lebensqualität ablesen kann.

Leben mit Jesus ist keine Ideologie, in der die dogmatische Keule gegen den Zeitgeist der anderen oder gar deren konfessionelle Traditionen geschwungen wird (die Menschen der Postmoderne eh kaum noch plausibel zu machen sind), sondern Freiheit von allen weltlichen Herrschaftsansprüchen. Leben mit Jesus ist freundschaftliche Beziehung, die sich im Engagement für Frieden und Gerechtigkeit auswirkt. Leben mit Jesus bringt Gelassenheit im Umgang mit der wachsenden Komplexität unserer Zeit. Leben mit Jesus schenkt Zuversicht und Freude, wo Versöhnung gelingt, Heilung erfahren wird und neue Perspektiven aufleuchten.

Symbol für Mut und Zuversicht: Die Dresdener Frauenkirche 1990.
Symbol für Mut und Zuversicht: Die Dresdener Frauenkirche 1990. Warum sie hier so aussieht, ist das Ergebnis einer schon einmal unternommenen vermeintlichen „Rettung des Abendlandes“ mit Mitteln von Krieg und Gewalt.

Diese Energie wird mich vor Ermüdungserscheinungen schützen. Wo ich an meine Grenzen stoße, wird mir die Kraft Gottes weiter helfen. Ich habe mittlerweile oft erfahren, dass und wie es „funktioniert“, alles auf die Karte „Jesus“ zu setzen. Meine persönliche Jahreslosung, gezogen in der Abendmahlsfeier am Neujahrstag, ist [diesmal keine Frage], sondern Ermutigung und Verheißung:

„Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug den Unvermögenden!“ (Jes. 40,  29 und Kontext).

Drum fürchte ich mich nicht, 2017 nicht und auch darüber hinaus.

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