„Ora Et Labora“ – OEL. Eine Woche beten und arbeiten, jeweils 50%. Für das Arbeiten keine Herausforderung. Aber 4 Std./Tag beten? Macht man das im (benediktinischen) Kloster, wird die Arbeitszeit ca. alle zwei Stunden durch das Stundengebet unterbrochen. Summiert man diese Gottesdienstzeiten, kommt man auf 2–3 Stunden. Auch die „geistliche Lesung“ und die persönliche „stille Zeit“ gehören zum Klosterleben. Ich werde meine Arbeitszeit auch unterbrechen, und mit 2 Std. Gebet anfangen, verteilt über den Tag. Den Rest soll geistliche Lesung einnehmen, und die Stille Zeit kann auch ein Gang durch die Stadt sein. Also kein geistlicher Stress, und schon gar keine Stoppuhr!

Und ich bin gar nicht im Kloster oder Bildungshaus! Ich bin in einer Gemeinde! In einer [Gemeinde-Neugründung], die also noch wachsen soll. Angesichts von Fusionen und oft auch Gemeinde-Entsorgungen in den Traditionskirchen ein absolut ermutigender Rahmen! Ich bin schon jetzt total dankbar, dass die [„Kirche 62“] in Gelsenkirchen sich – trotz Herbstferien – auf ein solches Experiment einlässt. Im [Mülheimer Verband] ist das geistliche Format einer Ora-et-labora-Woche bisher unbekannt.

Was ich diesmal nicht habe: einen „Exerzitienmeister“ in Person. Zur OEL-Woche gehört eigentlich ein tägliches geistliches Gespräch, bestenfalls über den geistlichen Fortschritt. Vielleicht ergibt sich ein Start- und ein Evaluationsgespräch mit einem kompetenten Gemeindemitglied. Ansonsten werde ich ja jeden Tag bloggen. Aber: Ich werde reichlich Zeit für die geistliche Lesung haben, und die wird mich durch diese Woche leiten. Ich lese das Basisbuch der deutschen Pfingstbewegung: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen – Ein Zeugnis von der Taufe mit dem Heiligen Geist und Feuer, belegt aus der Bibel und aus der Erfahrung alter und neuer Zeit und gerichtet an jedermann, zumal auch an solche, die an Jesum glauben“ – puuh, ein umständlicher Titel, verfasst 1896 von Jonathan Paul, mit Martin Girkon Protagonist der „Mülheimer Erweckung“ von 1905 und damit Mitbegründer der Pfingstbewegung in Deutschland, die im heutigen Mülheimer Verband wurzelt, sich aber im größeren [Bund Freikirchl. Pfingstgemeinden] entfaltet hat. Hoffentlich lesen sich die Basics von Jonathan Paul nicht so umständlich wie der Titel… Ich benutze aber die leicht revidierte dritte Auflage von 1956.

Ausführliche Besprechung von Kees Slijkerman

Ich werde nicht ganz unvoreingenommen (im positiven Sinn) an die Lektüre herangehen. Daneben liegen habe ich die Broschüre „Taufe im Heiligen Geist“, Hrsg. 2012 vom Theologischen Ausschuss der „International Catholic Charismatic Reneval Services“. Vor 50 Jahren ist die Pfingstbewegung in die kath. Kirche „hinübergeschwappt“, zuerst in den USA, und dann auch nach Europa und Deutschland, und hat bei Katholiken, Landeskirchlern, Baptisten, Methodisten und anderen Furore gemacht. Erfahrung und Zeugnis der Geisttaufe ist allen gemeinsam, aber dennoch durchaus nicht theologisch einheitlich. Katholiken haben den Versuch unternommen, den Schatz charismatischer Geisterfahrung in ihrer theologischen Tradition ans Licht zu heben. In Deutschland wird PP. Franziskus nicht als „katholischer Pfingstler“ wahrgenommen, aber er ist es. Passagen in „Evangelii Gaudium“ (u.a. Nr. 280) und in dem Bändchen [„Die Kraft der Berufung“] S. 75 f. deuten darauf hin. Seine Ansprachen bei Kongressen und zuletzt beim 50-jährigen Jubiläum der Charismatischen Erneuerung in der kath. Kirche 2017 im römischen Circus Maximus sind eindeutig: „Ich erwarte von euch, dass ihr mit allen in der Kirche die Gnade der Geisttaufe, der Taufe mit dem Heiligen Geist teilt – ein Ausdruck, der sich in der Apostelgeschichte findet (vgl. 1,5; 11,16).“ [2016 vor 52.000 Kongressgästen im Olympiastadion von Rom].

Welch eine Entwicklung! Die „Christlichen Gemeinschaften“ von Jonathan Paul und die Pfingstgemeinden hatten und haben selbst heute noch alle Mühe, in Deutschland ernst genommen zu werden. Man stelle sich bei all dem Streit und erlittener Spaltung vor, dass ihm der Papst in Rom beigesprungen wäre und gepredigt hätte: „Liebe Charismatiker aller Konfessionen, teilt mit allen in der ganzen Kirche die Gnade der Taufe mit dem Heiligen Geist! Ich erwarte das von Euch!“ – unvorstellbar, aber 2016 ist es Wirklichkeit.

Es wird also eine spannende Woche, das kann ich nach der Sortierung meiner Gedanken und Erwartungen heute am Vorabend sagen!

 

 

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