…ein Buch, das mich (gerade in diesen Tagen vor Pfingsten 2019 und als Vorbereitung des nächsten Schrittes im Abenteuer mit Jesus) in seiner Spur zu halten vermag. Eigentlich ein Interview für Pastoren und Ordensleute. Die Konzilskonstitution „Lumen Gentium“ gebraucht jedoch auch für das Gemeinsame Priestertum das Wort „Weihe“, denn das Amtspriestertum hat seine einzige Legitimation darin, dem Volk Gottes zu dienen. Beide Lebensformen sind verwurzelt in Jesus Christus:

„Christus der Herr, als Hoherpriester aus den Menschen genommen (vgl. Hebr. 5, 1–5), hat das neue Volk »zum Königreich und Priestern für Gott und seinen Vater gemacht« (vgl. Offb. 1, 6; 5. 9–10). Durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist werden die Getauften zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht, damit sie in allen Werken eines christlichen Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat (vgl. 1. Petr. 2, 4–10).“ (LG 10)

Es ist also ohne Weiteres möglich, in diesem kleinen Buch die Worte „geweihtes Leben“ weitgehend durch „Taufberufung“ zu ersetzen.

Bei allem Respekt: Wie sollen Post-postmoderne Zeitgenossen Liturgie von Mittelalterspielen unterscheiden? Können wir uns nicht normal kleiden?

Alle deutschen Bischöfe haben schon 2015 in ihrer Verlautbarung [Gemeinsam Kirche sein] auf den Ss. 35+38 mit dem traditionellen Priesterbild gebrochen, welches das Weiheamt mittels eines angeblichen „ontologischen Plus“ über die „normal Getauften“ gestellt hat. PP. Franziskus verurteilt diese Sichtweise immer wieder mit scharfen Worten („Klerikalismus, Aristokratismus, Elitedenken, Machtmissbrauch“). Damit diese Kehrtwende im röm.-kath. Weiheverständnis auch in der letzten Gemeinde und in der Gesellschaft endlich ankommt, verzichtet Kardinal John Dew, Erzbischof von Wellington/Neuseeeland mutig auf sämtliche Titel [„Nennt mich einfach John“]. Steffen Debus (Orga-Entwickler im Erzbistum Hamburg hat einen solchen Selbstversuch [in seinem Blog beschrieben]. Auch [Erik Flügge] in seinem Buch „Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“ [ISBN 978-3-466-37155-6] hat dazu im Kapitel „Per Sie und per Du“ (S. 120ff.) einige Fragen.

Nun aber zu PP. Franziskus und zum Thema Berufung. Hier meine Highlights:

Die Methode ist nicht der Heilige Geist
Natürlich weht der Heilige Geist, wo er will und wann er will. Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Gott hat die Macht zu rufen, wen er will, wann er will, wie er will. Was mich betrifft, so macht es mich dennoch hellhörig, dass dieses Phänomen manchmal mit einem gewissen Triumphalismus verbunden ist. Und der Triumphalismus überzeugt mich wahrhaftig nicht. Ich misstraue Phänomenen der Fruchtbarkeit wie „aus dem Reagenzglas“ und triumphalistischen Phänomenen und Botschaften, die uns weismachen wollen, dass das Heil hier oder da zu finden ist. (S. 72)

Anbetung und charismatischer Lobpreis

MIA 2917 – Jugend-Mitarbeiterkonferenz des Mülheimer Verbands in der Citykirche Hamburg

Es geht darum, dass wir … alle Christen ganz allgemein, den Herrn im Geist und in der Wahrheit anbeten müssen. Es geht nicht nur darum, den Allerheiligsten im Tabernakel anzubeten. Es ist mehr als das. Gewöhnlich pflegen wir uns dem Herrn durch das Bittgebet oder auch durch das Dankgebet zu nähern. Die Anbetung ist jedoch etwas, das dich entblößt und dich so vor Gott stellt wie du bist. Anzubeten bedeutet zu sagen: „Du bist groß, ich bin nichts.“ Es bedeutet, in der Gegenwart Gottes zu stehen. Das geschieht durch die formale Anbetung des Allerheiligsten, aber es geschieht auch durch jene grundlegenede Demut, die die Person leietet, die ihr geweihtes Leben aufrichtig lebt. Dieser Geist des Gebets ist es, die die grundlegende Demut des geweihten Menschen hervorbringt. Wir haben die Fähigkeit zur Anbetung verloren, ebenso wie wir teilweise die Fähigkeit zum Lobpreis verloren haben. Durch die Charismatische Erneuerung erlangen wir diese Fähigkeit zum Lobpreis jetzt wieder ein wenig zurück. Aber die Anbetung ist immer noch eine Herausforderung. Wir müssen jenen Geist der Anbetung des Vaters im Geist und in der Wahrheit zurückgewinnen, den man natürlich auch im formalen Gebet wachsen lässt, in der stillen Anbetung. Die Anbetung hilft uns vor allem, vor Gott den richtigen Platz einzunehmen und zu ihm zu sagen: „Du allein bist heilig, du allein der Herr, du allein der Höchste, Jesus Christus …“ (S. 75f.)

Klerikalismus verachtet das Volk Gottes

aus: Gerhard Mester, Mensch Franziskus!

Eine der Folgen einer schlechten Ausbildung, die mir am meisten Sorgen bereiten, ist der Klerikalismus. Das ist zweifellos eine der schlimmsten Perversionen des geweihten Lebens. Er ist eine Perversion des Lebens der Kirche ganz allgemein, daher muss man im geweihten Leben und in der Ausbildung der Seminaristen in den Diözesen darauf sehr achten. Es ist eine Perversion, weil er das pervertiert, was die Natur der Kirche, des heiligen gläubigen Volkes Gottes ist, wie die Konzilskonstitution „Lumen Gentium“ es beschreibt. Das ist etwas Grundlegendes, denn sie sollen dem Volk Gottes dienen. (S. 79)

Man muss kein Kleriker sein, um klerikal zu sein. Es gibt einen Klerikalismus, der in den Personen zum Ausdruck kommt, die ein „exklusives“ Gebaren an der Tag legen, hochnäsig sind, „exklusiv“ im negativen Sinne. Sie haben anderen gegenüber ein aristokratisches Auftreten. Der Klerikalismus ist eine Form der Aristokratie. (…) Man ist nicht klerikal, weil man die Messe feiert, sondern weil man meint, zu dieser Aristokratie zu gehören. Das bringt im Allgemeinen eine aristokratische Lebensweise mit sich, die zum Ausdruck bringen soll, dass man über dem übrigen heiligen gläubigen Volk Gottes steht. Wo es Klerikalismus, „Aristokratismus“, Elitedenken gibt, da ist nicht das Volk Gottes, das dir letzlich deinen Platz gibt. (S. 79f.)

Wer dir in der Kirche deinen Platz gibt, das ist das heilige gläubige Volk Gottes. Es ist die Nähe zu den Menschen … Der Klerikale gehört einer Elite an und erkennt sich nicht im Volk wieder. Daraus können dann viele Konsequenzen entstehen, vor allem dann, wenn die Macht missbraucht wird. Der Klerikalismus ist die Wurzel vieler Probleme, wie wir gegenwärtig sehen. Auch hinter den Missbrauchsfällen steht, neben den anderen Formen von Unreife und Neurosen, der Klerikalismus. (S. 80)

Sich vertrauensvoll der Zukunft öffnen

Kirche 4.0

Es geht darum, vor Gott unterwegs zu sein, zu spüren, dass wir dorthin gehen, wohin er uns führt, und uns von seiner Verheißung leiten zu lassen. Das muss die Grundlage jeder gegenwärtigen Option in der Kirche sein. [Mit ihm gehen und tun, was er uns aufträgt.] Unterwegs sein, immer unterwegs sein. (S. 103f.)

Ich würde dies als Kernoption für das geweihte Leben in der heutigen Zeit hervorheben. Wenn das geweihte Leben nicht unterwegs ist, dann hat es verloren. Wenn es nicht vor Gott geht, hat es verloren. Und wenn es unterwegs ist, ohne nach mehr, ohne nach Vollkommenheit zu streben, ohne „untadelig“ zu sein, dann hat es auch verloren. (S. 104)

Die Sendung ist es, die dich unterwegs sein lässt, vor dem Herrn, auf diesen Horizont hin. Es ist eine grundlegende Sichtweise. Du musst dich fragen: Wer gibt dir die Sendung? Wer hat dein Charisma erweckt und die Weise, diese Sendung durchzuführen? Von wem empfängst du die Sendung? Das ist das Entscheidende. (S. 106)

Messdiener 1959–1966

Der Zukunft begegnen bedeutet, diesem Horizont der Erwartung zu begegnen und dem zu begegnen, was in der Geschichte kommen wird. Ich mag diesen Ausdruck sehr. Genau darum geht es: sich aufzuraffen, seine Nase dort hineinzustecken. Und nicht nur in der Gegenwart verhaftet zu bleiben. Natürlich müssen wir die Gegenwart untersuchen und im Hinblick auf die Gegenwart Entscheidungen treffen, aber wir müssen es auch wagen, der Zukunft zu begegnen, ohne unsere Erinnerung zu verlieren. (S. 106f.)

PP. Franziskus: [Die Kraft der Berufung] – ein Gespräch mit Fernando Prado CMF, Freiburg (Herder) 2018, ISBN 978-3-451-38928-3

[Mehr zum Thema Klerikalismus hier.]

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