Die Altersstruktur der Kirchenmitglieder hatte einst die Form einer zum Himmel aufragenden Pyramide. Im Jahr 2060 wird sie voraussichtlich die Form einer Urne haben. (Reinhard Bingener in der FAZ vom 03.05.2016, Seite 1 Satz 1+2)

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß. „Was das „Forschungszentrum Generationenverträge (FZG)“ der Uni Freiburg im Auftrag der Evangelischen Kirche Deutschlands und der kath. Deutschen Bischofskonferenz berechnet hat, dürfte in vielen evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern die Alarmglocken läuten lassen“, meint [domradio.de] zum gegenwärtigen und zukünftigen Mitgliederschwund. Und ich teile nicht die Einschätzung von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dass es „fünf vor zwölf“ sei. Auch Kardinal Reinhard Marx’ Reaktion, dass nun eine „mittel- und langfristige Haushaltsanpassung“ vorzunehmen sei, ist denkbar kurz gegriffen. Wir haben es mit einer gigantischen Vertrauens- und Glaubenskrise zu tun. Das ist doch alles nichts Neues, und [ich kenne auch andere Töne] des Bischofs. Kapitulation vor dem Zeitgeist? Angepasster Rückbau der Rahmenbedingungen verrät den pastoralen Grundauftrag, den alle Kirchen haben, denn er hält eine Schwund-Spirale in Gang. Es ist [zehn nach zwölf], spätestens seit den Missbrauchsskandalen (die ja auch freikirchliche Gemeinden heimgesucht haben).

Da viele Bischöfe und Pastoralteams in Deutschland sich der päpstlichen Forderung nach Runderneuerung [Evangelii Gaudium] verweigern, müssen Gemeindemitglieder die Sache selbst in die Hand nehmen. Zur Umsetzung der DBK-Thesen aus [Gemeinsam Kirche sein] mit ihrem ausgesprochen charismatischen Blickwinkel gibt es jetzt einen Strategie-Kongress. Wer hier nicht zupackt und jetzt mitmacht, dem ist in unseren Kirchen nicht mehr zu helfen. Ich kann nicht nachvollziehen, dass [Kamp-Erfurt] oder das [Bonifatiuswerk] diese Konferenz nicht promoten. Sie sind doch sonst als erste an diesen Themen dran!

Es ist eine bunte Referenten-Crew, die sich vom Mo. 7.–Mi. 9. Oktober 2019 im Fuldaer Dom den engagierten Gemeindechristen stellt:

Wem beim Stichwort „Gebetshaus Augsburg“ der Schreck in die Glieder fährt, den darf ich an dieser Stelle beruhigen: Es geht bei charismenorientierter Pastoral nicht um Mitgliederwerbung für die weltweite Pfingstbewegung (unbestritten die am stärksten und effektivsten wachsenden Gemeinden). Es geht darum, dass jede/r Teilnehmer/in sich seiner/ihrer persönlichen Glaubensbasis vergewissert (Tauf-/Firm-/Konfirmationsgnade) und für den jeweiligen Kontext (Gemeinde, Initiative, Gruppe, Dorf, Stadt, Region) die für die Zukunft der Kirche erforderlichen Konsequenzen zieht. Zur fälligen „missionarischen Wende“ in der Pastoral gehört [eine gehörige Portion Pioniergeist]! Das ist, wie es der eigentlichen Bedeutung von „katholisch“ entspricht, lokal unterschiedlich und darum sehr vielfältig. Das spirituelle Profil einer Gemeinde ist progressiver Teil des gesellschaftlichen Kontextes, in dem sie steht. Eng gefasste Frömmigkeitsformen welcher Couleur auch immer, Aussschließlichkeitsanspruch und eine [unverständliche Insider-Sprache] bewirken da sehr schnell das Gegenteil von Mission und Evangelisation.

Man muss die Analysen von Johannes Hartl oder Karl Wallner nicht teilen, aber wir sollten uns immer und überall ermutigen lassen, neue und unkonventionelle Wege zu gehen. Ziel des [Missions-Manifests] ist es nicht, alle zu konservativen und rückwärtsgewandten Duckmäusern zu machen. Ich wiederhole es hier: Die Gemeindeaufbau-Strategien der [Freien Evangelischen Gemeinden] und des [Mülheimer Verbands] sind vorbildliche Beispiele auch für die Traditionskirchen.

Das Privileg, noch im Alter in einer Gemeinde mitarbeiten zu dürfen, die alle Forderungen und Konsequenzen der Divine Renovation Ministries u. a. entspr. Initiativen (Willow-Creek-Deutschland, Saddleback Church, Holy-Trinity-Brompton London, The Evangelical Catholic, Natürliche Gemeinde-Entwicklung NGE, Evangelische Allianz) bereits seit Jahren umsetzt und lebt, so gut und ausbaufähig sie es vermag, beschämt mich angesichts der Fragen und Diskussionen „Was sollen wir jetzt tun in Mutter Kirche“ in meiner „alten Firma“. Darum muss ich bei dieser Konferenz auch nicht dabei sein. Aber ich lege sie jedem und jeder, der sich für die Zukunft der Kirche engagiert, dringend ans Herz! Wir haben Gottes Weisheit nicht mit Löffeln gegessen, aber wir fragen nach Seinem Willen für unsere Gemeinde in unserer Stadt – und zwar nicht als umnebelter Appell, sondern ganz konkret, persönlich und mit [effektiven Methoden], jawohl, aus der Unternehmensführung.

Auch wenn es zehn nach zwölf ist, lässt sich das Ruder herumreißen. Der Geist weht, wann und wo und wie Er will – vor allem dann, wenn man ihn ausdrücklich hereinlässt! Wenn die Kapitäne und die Crew schlafen, muss die Besatzung sie aufwecken oder das Steuer selbst in die Hand nehmen. Das ist keine Meuterei, sondern Durchsetzung der eigentlichen DNA der Kirche. Sie hat eine Mission. „[Wir sind eine Mission!]“ behauptete Bischof Franz-Josef Bode beim (schon wieder vergessenen) Dialogprozess 2015 in Magdeburg.

Jesus Christus kann auch die langweiligen Schablonen durchbrechen, in denen wir uns anmaßen, ihn gefangen zu halten, und überrascht uns mit seiner beständigen, göttlichen Kreativität. Jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte, reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute, auf. In der Tat, jedes echte missionarische Handeln ist immer „neu“. (PP. Franziskus in EG 11)

 

 

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